– Syrien

Weg der Heilung

In Al-Kafroun, im Westen Syriens, finden Kinder und Fami­lien, die durch Krieg und Vertreibung vieles verloren haben, einen Ort der Geborgenheit und Gemeinschaft. Der Jesuiten-Flücht­lings­dienst (JRS) begleitet sie mit Bildungsangeboten und psychosozialer Unter­stützung. Wie viel diese Arbeit bewirkt, erzählt die Leiterin des JRS-Bildungsteams, Lina Alkhourey, die selbst vor dem Krieg fliehen musste.

Als 2011 der Krieg in Syrien ausbrach, wurde die Region rund um Al-Kafroun und Mashta al-Helu für viele Menschen zu einem Zufluchtsort. Fami­lien aus Homs, Aleppo, Damaskus, Hama und anderen Teilen des Landes suchten hier Schutz vor der Gewalt. Sie kamen mit wenig Gepäck, großen Sorgen und der Hoffnung, eines Tages in ihre Heimat zurück­kehren zu können.

Doch aus wenigen Wochen wurden Monate, schließlich Jahre. Besonders die Kinder litten unter der Situation. Viele konnten nicht mehr zur Schule gehen, hatten Freunde und vertraute Bezugspersonen verloren und waren von den Erlebnissen des Krieges gezeichnet.

Ein sicherer Ort für Kinder und Fami­lien

Was zunächst als kleines Bildungsangebot begann, entwickelte sich mit Unter­stützung des Jesuiten-Flücht­lings­dienstes (JRS) zu einem umfassenden Programm. Kinder zwischen acht und vierzehn Jahren erhalten schulische Förderung, psychosoziale Begleitung und die Möglichkeit, in einem geschützten Umfeld wieder unbeschwert Kind zu sein.

Mit der Zeit wurden auch die Eltern stärker einbezogen. Denn die Erfahrungen von Flucht, Verlust und Unsicherheit betreffen ganze Fami­lien. Das Gemeinschaftszentrum bietet deshalb weit mehr als Unterricht: Es schafft Begegnungen, stärkt den Zusammenhalt und hilft den Menschen, Schritt für Schritt wieder Vertrauen in die Zukunft zu gewinnen.

Der Bedarf ist weiterhin groß. Immer wieder mussten Fami­lien aus unterschiedlichen Teilen Syriens fliehen. Die Angebote des JRS wurden deshalb kontinuierlich erweitert. In Al-Kafroun erreicht das Zentrum heute mehrere hundert Kinder.

„Ich wollte helfen, doch sie haben mir noch viel mehr geholfen“

Wie wichtig diese Begleitung ist, zeigt die Geschichte von Lina Alkhourey, der Leiterin des JRS-Bildungsteams. Sie stammt aus Homs und musste selbst ihre Heimat verlassen. Der Krieg veränderte ihr Leben von einem Tag auf den anderen.

„Zuerst dachte ich, alles sei vorbei“, erinnert sie sich. Doch die Begegnungen mit anderen Vertriebenen veränderten Linas Blick. Sie erlebte Menschen, die trotz schwerer Verluste den Mut fanden, neu anzufangen, weil jemand an ihrer Seite war, ihnen zuhörte und sie verstand.

Die Arbeit beim JRS wurde für sie selbst zu einem Weg der Heilung. Durch Fortbildungen gewann sie berufliche Sicherheit und konnte ihre Familie unterstützen. Zugleich fand sie etwas wieder, das sie durch die Flucht verloren hatte: einen geregelten Alltag, Freundschaften, Gemeinschaft und das Gefühl, dazuzugehören.

Besonders berührt hat sie die Stärke der Menschen, denen sie begegnete. „Ich wollte helfen, doch sie haben mir noch viel mehr geholfen“, erzählt sie. Ihre Erfahrungen machten ihr deutlich, dass Hilfe keine Einbahnstraße ist. Wer andere begleitet, wird oft selbst beschenkt.

Begleiten statt nur versorgen

Diese Erfahrung steht im Mittelpunkt der Arbeit des Jesuiten-Flücht­lings­dienstes. Sein Auftrag ist es, geflüchtete Menschen zu begleiten, ihnen zu dienen und sich für ihre Rechte einzusetzen. Neben konkreter Hilfe geht es darum, Menschen Würde, Selbstvertrauen und neue Perspektiven zu geben.

Gerade in Syrien, wo jahrelanger Krieg, wirtschaftliche Not und Vertreibung tiefe Spuren hinterlassen haben, sind solche Orte der Begegnung unverzichtbar. Kinder können wieder lernen und spielen. Eltern erfahren Unter­stützung. Menschen, die vieles verloren haben, finden neue Beziehungen und Gemeinschaft.

jesuitenweltweit unterstützt die Arbeit des JRS in Syrien. Gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort setzen wir uns dafür ein, dass Kinder und Fami­lien auch unter schwierigsten Bedingungen nicht allein bleiben und neue Zukunftsperspektiven entwickeln können. Helfen Sie mit, Kindern und Fami­lien in Syrien neue Perspektiven zu schenken.

Syrien: Da sein, trotz alledem

Die Folgen des Kriegs in Syrien sind allgegenwärtig. Millionen stehen täglich vor unmöglichen Entscheidungen: Essen oder Medikamente? Schule oder Arbeit? Bleiben oder gehen? Die Jesuiten und der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) bleiben präsent, begleiten Menschen in besonders betroffenen Vierteln von Aleppo, Homs und Damaskus – mit medizinischer Hilfe, psychosozialer Begleitung, Bildung und sicheren Orten für Kinder und Familien.

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