– Venezuela

Viele Hände, eine gemeinsame Antwort auf die Krise

Als am 24. Juni 2026 zwei schwere Erdbeben Venezuela erschütterten, veränderte sich innerhalb weniger Stunden das Leben Tausender Menschen. Für die Jesuiten und ihr internationales Netzwerk bedeutete das, schnell auf die neue Situation zu reagieren. Hand in Hand erreichten sie in den ersten Monaten gemeinsam mehr als 87.000 Menschen. Ein neuer Bericht der venezolanischen Jesuiten zeigt, wie die bestehenden Strukturen für die Nothilfe genutzt wurden und welche Aufgaben nun beim Wieder­auf­bau im Mittelpunkt stehen.

Ein Netzwerk aus Schulen, Pfarren und Sozialwerken

Nach der Katastrophe konnte die Hilfe auf ein Netzwerk zurück­greifen, das bereits seit vielen Jahren im Land besteht. Jesuitische Schulen, Universitäten, Pfarren und Sozialwerke stellten und stellen ihre Mitarbeitenden, Gebäude, Erfahrung und Kontakte in den Dienst der Nothilfe.

„Wenn viele Hände zusammenkommen, beginnt Hoffnung Wirklichkeit zu werden“, sagt Txuo Rodríguez Villarroel SJ, Notfallkoordinator der venezolanischen Jesuitenprovinz. Was in der akuten Nothilfe sichtbar wurde, ist dabei Teil einer Zusammenarbeit, die über den unmittelbaren Katastropheneinsatz hinausreicht.

Zu diesem Netzwerk zählen unter anderem die Universidad Católica Andrés Bello (UCAB), Fe y Alegría, der Jesuiten-Flücht­lings­dienst (JRS), das Centro Gumilla, CERPE und das Colegio San Ignacio. Gemeinsam mit kirchlichen und humanitären Organisationen sowie internationalen jesuitischen Partnern – darunter das Xavier Network, zu dem auch jesuitenweltweit zählt – bündeln sie Ressourcen, Erfahrungen und Kontakte. Drei Ziele stehen dabei im Mittelpunkt: Menschen schützen, vorhandene Kräfte koordinieren und den Weg für Erholung und Wieder­auf­bau bereiten.

Mehr als 87.000 Menschen erreicht – und das gezielt 

Wie umfangreich die gemeinsame Unter­stützung war, zeigt die Bilanz der ersten Phase: Mehr als 87.000 Menschen wurden erreicht und über 645 Tonnen humanitäre Hilfsgüter mobilisiert. Mehr als 1.000 Freiwillige, über 5.300 private und institutionelle Spenderinnen und Spender sowie mehr als 320 Organisationen beteiligten sich daran.

Schulen und Universitäten wurden dabei teilweise selbst zu logistischen Zentren. Am Colegio San Ignacio und an der Universidad Católica Andrés Bello entstanden große Sammel- und Verteilzentren. Lebensmittel, Trinkwasser, Hygieneartikel und medizinische Güter wurden gesammelt, sortiert und entsprechend der gemeldeten Bedürfnisse weitergegeben. Um nachvollziehen zu können, wohin die Hilfe gelangte, entwickelte „Unidos en la Misión“ ein eigenes Verfahren zur Registrierung und Verteilung der Spenden. Dabei standen Transparenz, Nachverfolgbarkeit und die Würde der Betroffenen im Mittelpunkt.

Schulen als Orte der Normalität für die Jüngsten 

Doch die Unter­stützung ging weit über die Versorgung mit Hilfsgütern hinaus. Fe y Alegría richtete den Blick besonders auf Kinder, Jugendliche und ihre Fami­lien. Neben dringend benötigten Gütern entstanden sichere Räume und Angebote zur emotionalen und spirituellen Begleitung. Gleichzeitig begann die schrittweise Wiederherstellung beschädigter Bildungszentren. So wurden Schulen zu Orten der Sicherheit und Begegnung und halfen Kindern und Jugendlichen dabei, in einen geregelten Alltag zurück­zufinden.

Schutz, Begleitung und Mitbestimmung

Der Jesuiten-Flücht­lings­dienst (JRS) brachte seine Erfahrung im Schutz besonders gefährdeter Menschen ein. In La Guaira, Miranda und Caracas bot er psychosoziale Unter­stützung und rechtliche Orientierung an. Helfende wurden in psychologischer Erster Hilfe geschult. Wo weitere Unter­stützung nötig war, vermittelte der JRS die Betroffenen an geeignete Anlaufstellen.

Auch die Gemeinden selbst bestimmten mit, welche Hilfe gebraucht wurde. Im Stadtviertel Catuche hörte das Sozialzentrum Gumilla Nachbarinnen, Nachbarn und lokalen Verantwortlichen zu und erfasste die Folgen der Beben. In einer Gemeindeversammlung wurden gemeinsame Schritte vereinbart. Die Menschen sollten an den Entscheidungen beteiligt sein, die ihren Alltag und den Wieder­auf­bau betreffen.

Die nächste Phase beginnt

Die unmittelbare Nothilfe ist inzwischen abgeschlossen. Die Folgen der Erdbeben sind damit jedoch längst nicht überwunden. Aus den Erfahrungen der ersten Wochen entwickelte die venezolanische Jesuitenprovinz einen gemeinsamen 24-Monats-Plan für Erholung und Wieder­auf­bau. Was zunächst aus vielen einzelnen Hilfsmaßnahmen entstand, soll damit langfristig als koordinierte gemeinsame Antwort fortgeführt werden.

Der Bericht über die ersten Monate zieht deshalb nicht nur Bilanz über verteilte Hilfsgüter und erreichte Menschen. Er zeigt auch, wie die bereits bestehenden Strukturen in der Krise zusammenwirkten: Schulen, Universitäten, Sozialwerke, Pfarren, Freiwillige, Partnerorganisationen sowie Unterstützerinnen und Unterstützer brachten ihre jeweiligen Möglichkeiten in die gemeinsame Arbeit ein. Diese Zusammenarbeit bildet auch die Grundlage für die weiteren Schritte im Wieder­auf­bau.

Venezuela nach dem Erdbeben – wie geht es weiter? (14.10.2026)

jesuitenweltweit Deutschland und Österreich laden Sie herzlich zu einem Online-Abend mit Katrin Morales, Ge­schäfts­führerin von jesuitenweltweit Österreich, und P. Alfredo Infante SJ, Provinzial der Jesuiten in Venezuela, ein. 

Wie geht es den Menschen in Venezuela nach den schweren Erdbeben vom Juni? Was haben die Spenden aus Deutschland und Österreich bewirkt und was braucht es jetzt, damit die Überlebenden wieder Zuversicht gewinnen?

Katrin Morales berichtet auf Deutsch und übersetzt die spanischsprachigen Beiträge von P. Alfredo Infante SJ ins Deutsche. Wir freuen uns auf Ihr Interesse und Ihre Fragen!

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