– Afghanistan

Mit Nadel, Faden, neuer Lebenskraft

In Afghanistan sind Not und Instabilität Teil des Alltags. Die Rückkehr der Taliban hat die Situation verschärft. Doch dank Ihrer Unter­stützung konnte der Jesuiten-Flücht­lings­dienst (JRS) auch 2025 besonders gefährdeten Menschen, vor allem Frauen und Kindern, dabei helfen, ihre Lebensumstände nachhaltig zu verbessern.

Auch 2025 hält in Afghanistan eine der größten humanitären Krisen weltweit weiterhin an. Weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist auf externe Hilfe angewiesen. Im Winter 2025 waren über 17 Millionen Menschen von akutem Hunger betroffen. Politische Willkür im In- und Ausland sowie der wirtschaftliche Zu­sammen­bruch des Landes spitzen die gesellschaftliche Lage weiter zu.

An den Rand gedrängt

Am stärksten betroffen sind Frauen und Mädchen, deren Rechte und Handlungsspielräume seit der Rückkehr der Taliban hochgradig eingeschränkt wurden. Zugleich machen Rückführungen aus Pakistan und dem Iran die Lage noch schlimmer.

Seit Oktober 2023 sind rund 5,4 Millionen Menschen nach Afghanistan zurück­gekehrt, allein 2025 etwa 2,9 Millionen. Mehr als die Hälfte von ihnen besitzt keine Ausweisdokumente, was den Zugang zu Arbeit, Bildung oder Hilfsleistungen erheblich erschwert. Darüber hinaus verfügt der Großteil der Rückkehrenden über keine formale Ausbildung und findet somit kaum Möglichkeiten zur Einkommenssicherung.

Viele Fami­lien landen in informellen Siedlungen am Rand großer Städte wie Kabul oder Herat. Genau dort unterstützt der Jesuiten-Flücht­lings­dienst (JRS) Geflüchtete und Binnenvertriebene mit psychosozialer Begleitung sowie Bildungs- und Berufsqualifizierungsangeboten.

Das JRS-Programm „Skilling Circles“ sticht dabei besonders heraus, da es Frauen nicht nur einmalige wirtschaftliche Perspektiven eröffnet, sondern auch keine Gefährdung für sie darstellt, da es vom Regime im Sinne der Kulturförderung geduldet wird.

Ein neuer Sinn im Leben

Von Januar bis Dezember 2025 wurden so 179 Frauen im Nähen, 211 in Stickerei und 55 im Teppichweben ausgebildet. Darunter war auch die 17-jährige Laila aus dem Ghorian-Distrikt in Herat.

Nach der 8. Klasse musste sie die Schule verlassen und verlor dadurch ihren Lebenssinn. Ihre große Sehnsucht: lernen und sich eine bessere Zukunft aufbauen. Im Skilling Circle schließlich wurde sie zur versierten Stickerin ausgebildet.

Ein Jahr nach ihrer Ausbildung sagt Laila: „Ich träume davon, meinen Weg fortzusetzen und Unternehmerin zu werden. Mein Ziel ist es, unsere reiche kulturelle Kunst weltweit bekannt zu machen und andere Frauen, die wie ich kämpfen, zu stärken.“

Ziel des Programms ist es, möglichst viele Frauen dazu zu befähigen, durch den Verkauf eigener Produkte ein eigenes Einkommen zu erzielen. Die Teilnehmerinnen werden daher nicht nur in der Produktion geschult, sondern übernehmen auch Aufgaben in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Verwaltung.

Insgesamt nahmen 440 Frauen an Schulungen zur Entwicklung unternehmerischer Kompetenzen teil.

Bildung für alle

Parallel dazu werden durch den JRS auch Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren gezielt gefördert.

Von Januar bis Dezember 2025 nahmen 3.024 Kinder, 1.438 Jungen und 1.586 Mädchen, an Alphabetisierungskursen in Community Development Centres (CDC) teil, von denen die meisten zuvor keinen Zugang zur Bildung hatten. 90 Prozent konnten ihre Lese- und Schreibfähigkeiten verbessern.

Der Unterricht fand täglich an sechs Tagen pro Woche statt, ergänzt durch kreative Aktivitäten.

Dank Ihrer Spenden konnten wir unsere Projektpartner bislang mit 160.000 Euro unterstützen und werden die Projektförderungen mit weiteren Beiträgen bis 2028 fortführen.

Afghanistan: Zukunft knüpfen

Not und Instabilität, Willkür und Repression, dazu Zwangsabschiebungen in ein überfordertes Land: Der Druck auf die Bevölkerung wächst in Afghanistan, vor allem leiden Frauen und Mädchen. Ein JRS-Programm, das Bildung und Handarbeit verbindet, ebnet jetzt Hunderten jungen Afghaninnen den Weg in mehr Selbstständigkeit.

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