– Venezuela

Der lange Weg zurück in den Alltag

Fast zwei Monate sind vergangen, seit schwere Erdbeben Venezuela erschütterten. Die Bilder der Zerstörung sind aus den internationalen Schlagzeilen weitgehend verschwunden. Für die betroffenen Fami­lien ist die Katastrophe jedoch längst nicht vorbei. Nach der ersten Nothilfe beginnt nun eine mindestens ebenso wichtige Phase: der Wieder­auf­bau. Die Jesuiten in Venezuela begleiten die Menschen dabei langfristig.

Am 24. Juni erschütterten zwei schwere Erdbeben Venezuela. Sie zählen zu den stärksten, die das Land seit mehr als einem Jahrhundert erlebt hat. Besonders schwer getroffen wurden dicht besiedelte Regionen im Zentrum und Norden des Landes, darunter La Guaira, Miranda, Carabobo und Aragua sowie die Hauptstadt Caracas. Zahlreiche Gebäude wurden beschädigt oder vollständig zerstört. Viele Fami­lien verloren innerhalb weniger Augenblicke Angehörige, ihr Zuhause und ihr gesamtes Hab und Gut.

Nach dem jüngsten von den venezolanischen Behörden veröffentlichten Stand kamen mindestens 6.000 Menschen ums Leben, fast 17.000 wurden verletzt.

Nothilfe und Wieder­auf­bau müssen Hand in Hand gehen

Die Erdbeben trafen ein Land, das bereits zuvor unter einer schweren humanitären Krise litt. Für viele Fami­lien waren die Lebensbedingungen schon vor der Katastrophe prekär. Die Folgen der Erdbeben haben diese Situation weiter verschärft. Deshalb reicht es nicht aus, ausschließlich auf die unmittelbaren Bedürfnisse nach einer Katastrophe zu reagieren. Neben der Versorgung mit dem Nötigsten braucht es schon jetzt Perspektiven für die kommenden Monate und Jahre.

Die Jesuiten in Venezuela haben deshalb unter dem Namen „The Mission is Venezuela – Emergency 2026“ eine gemeinsame Hilfsstrategie entwickelt. Koordiniert wird sie von Unidos en la Misión, der Entwicklungsstelle der Jesuiten in Venezuela. Bildungs- und Sozialeinrichtungen, pastorale Werke und weitere jesuitische Organisationen bündeln dabei ihre Kräfte und nutzen ihre langjährige Präsenz in den betroffenen Gemeinden.

Der geplante Einsatz erstreckt sich über 24 Monate und gliedert sich in zwei Phasen, die teilweise parallel verlaufen. In der ersten Phase sollen 84.955 Menschen akute Nothilfe in Form von Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Medikamenten erhalten. Gleichzeitig beginnen erste Reparatur- und Wieder­auf­baumaßnahmen an beschädigten Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen. Die zweite Phase nimmt den langfristigen Wieder­auf­bau in den Blick: 36.143 Menschen sollen von Bildungs- und Schutzmaßnahmen, körperlicher und psychosozialer Gesund­heits­ver­sorgung sowie der Wiederherstellung von Lebensgrundlagen profitieren.

Schulen als Anker für ganze Gemeinden

Eine zentrale Rolle beim Wieder­auf­bau spielt Fe y Alegría, das jesuitische Schulnetzwerk in Venezuela. Bereits während der Sommermonate wurden 464 Fami­lien aus dem Netzwerk mit insgesamt 616 Lebensmittel- und Hygienepaketen unterstützt. Gleichzeitig arbeitet Fe y Alegría mit Hochdruck daran, den Schulbetrieb im Herbst unter sicheren Bedingungen wieder aufnehmen zu können.

Denn die Erdbeben haben auch im Bildungsbereich massive Schäden hinterlassen: 73 Einrichtungen von Fe y Alegría wurden beschädigt. 29 Schulen und zwei Büros sind so schwer betroffen, dass sie dringend saniert werden müssen. Ohne eine rasche Instandsetzung ist der Bildungsweg von 18.727 Schülerinnen und Schülern gefährdet.

Für Fe y Alegría ist die Rückkehr in die Klassen­zimmer deshalb weit mehr als die Wiederaufnahme des Unterrichts. Das Netzwerk betrachtet Bildung als eine „grundlegende Säule für den Wieder­auf­bau des Landes“. Nach Wochen voller Verlust und Unsicherheit geben sichere Schulen Kindern und Jugendlichen nicht nur Zugang zu Bildung, sondern auch wieder Struktur, Stabilität und ein Stück Normalität. Damit das möglich wird, müssen beschädigte Gebäude nun so rasch wie möglich wieder zu sicheren Lernorten werden.

Hilfe, die bleibt

Neben Fe y Alegría sind weitere jesuitische Einrichtungen an der gemeinsamen Hilfe beteiligt. Der Jesuiten-Flücht­lings­dienst JRS bringt seine langjährige Erfahrung in den Bereichen Schutz, Bildung, Versöhnung und Wiederherstellung von Lebensgrundlagen ein. Das Centro Gumilla unterstützt unter anderem beim Wieder­auf­bau sozialer Strukturen und bei der Begleitung von Gemeinden. Die Stärke dieses Netzwerks liegt vor allem darin, dass die Organisationen bereits lange vor dem Erdbeben vor Ort waren und die Menschen und ihre Bedürfnisse kennen.

Der Wieder­auf­bau wird Jahre dauern. Während die internationale Aufmerksamkeit nach Katastrophen häufig schnell weiterzieht, bleiben die Menschen vor Ort mit deren Folgen zurück. Unsere Partner in Venezuela bleiben an ihrer Seite. Damit sie Fami­lien weiterhin mit dem Nötigsten versorgen, Schulen wiederaufbauen und den Menschen langfristig neue Perspektiven ermöglichen können, sind sie weiterhin auf Unter­stützung angewiesen.

Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende, damit aus der ersten Nothilfe ein nachhaltiger Neuanfang werden kann. 

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