– Loyola-Zentren Kuba
Wenn der Herbst wie der Frühling blüht
Die Lebenserwartung der Menschen in Kuba ist hoch, doch das Leben vieler Älterer geprägt von Armut und Einsamkeit. Das „Proyecto Otoño“ des Loyola-Zentrums gibt dem Leben von Seniorinnen und Senioren im Herzen von Havanna neuen Sinn.
Im Zentrum von Kubas Hauptstadt Havanna begleitet das jesuitische Centro Loyola Reina ältere Menschen auf ihrem Weg: Im Proyecto Otoño – auf Deutsch: Projekt Herbst – steht aber nicht das Älterwerden im Vordergrund, sondern das aktive, gesunde und erfüllte Leben. Hier geht es um Teilhabe, Kreativität, Bewegung, Weiterbildung – und darum, die eigene Lebensfreude neu zu entdecken.
Auch wenn der „Herbst“ gemeinhin mit dem Lebensabend assoziiert wird, zeigt das Projekt, dass dieser Lebensabschnitt eine Phase des Aufblühens, neuer Erfahrungen und der Gemeinschaft sein kann – „wie ein zweiter Frühling “, erklärt Direktorin Schwester Berglis de las Mercedes Marín Glean.
Altersarmut und soziale Isolation
In Kuba stehen ältere Menschen vor großen Herausforderungen. Die Bevölkerung altert rasant, doch es fehlen oft die strukturellen Voraussetzungen für ein würdevolles Altern. Viele Senioren leben allein, mit geringen Renten und kaum Zugang zu spezialisierten Angeboten. Vor allem älteren Frauen droht die Isolation.
Medizinische Versorgung ist zwar grundsätzlich kostenlos, doch Medikamente, Pflegehilfen oder psychologische Unterstützung sind oft schwer zu bekommen.
Gleichzeitig tragen viele ältere Menschen nach wie vor Verantwortung für ihre Familien – sei es durch Betreuung von Enkelkindern oder durch finanzielle Unterstützung, etwa durch Nebenverdienste oder Hilfe von Verwandten im Ausland. Altersarmut, soziale Ausgrenzung und eingeschränkte Mobilität sind weit verbreitet.
Ein zweites Zuhause
Hier setzt das Proyecto Otoño an: Es schafft Räume der Teilhabe, des Austauschs und des gemeinsamen Lernens. Das Zentrum wird für viele zu einem zweiten Zuhause – einem Ort, an dem sie gesehen, gehört und gebraucht werden.
Und das in einem sozialen Umfeld, das sich zunehmend verändert und gerade ältere Menschen oft aus dem Blick verliert.
Ein Tag voller Erinnerung, Musik und Miteinander
Die große Abschlussfeier der diesjährigen Kurse war viel mehr als nur ein Fest: „Sie war ein Tag voller Emotionen, Dankbarkeit und generationenübergreifender Begegnung“, berichtet Schwester Berglis.
Gefeiert wurden Kursabschluss und Vatertag sowie die Geburtstage aller Seniorinnen und Senioren, die zwischen März und Juni geboren wurden – „mit einer Mischung aus Freude, Kreativität und tiefem Gemeinschaftsgefühl“.
Applaus gen Himmel
Zu Beginn des Festes wurde innegehalten: Das Centro Loyola würdigte nicht nur die Partnerorganisationen und Förderer des Projekts, sondern erinnerte auch an drei verstorbene Teilnehmerinnen – Martica, Maricela und Gladys.
Mit einem berührenden „aplauso al cielo“, einem Applaus zum Himmel, schickten alle ihre Liebe und Dankbarkeit dorthin, wo diese Frauen nun sind – „ein Moment der Verbundenheit, der zeigte, wie viel Herz in dieser Gemeinschaft steckt“, so Berglis.
Kreativität kennt kein Alter
Ein Highlight des Tages war die Rückschau auf das, was im Projektjahr entstanden ist: Neue Kurse für Malerei, Theater, Gesang, kreatives Schreiben und auch eine Beratung für Unternehmertum im Alter (emprendimiento en la adultez mayor) sind Angebote, die zeigen, dass Lernen und Selbstverwirklichung in jedem Alter möglich sind.
Besonders schwungvoll wurde es bei der „Bailoterapia“ – einer Mischung aus Tanz und Bewegungstherapie. Unter Leitung der Lehrerin Carolina von der Flamenco-Kompanie Ecos tanzte sich die Gruppe mit viel Elan durch den Nachmittag. Dabei ging es nicht um Perfektion, sondern um Lebensfreude, Körpergefühl und gemeinsame Energie.
Bühne frei für gelebte Geschichten
Der Projekt-Chor „Coro Otoño“, Vorleserinnen, Geschichtenerzähler und das Ensemble des Seniorentheaters präsentierten Ausschnitte aus ihrer neuen Inszenierung „Pillín“. Auch die Teilnehmenden aus den Kursen für Smartphone-Nutzung und Gehirntraining stellten ihre Fortschritte vor – „ein eindrucksvolles Zeichen dafür, dass digitale Teilhabe und geistige Fitness in jedem Lebensabschnitt wichtig und machbar sind“, so Schwester Berglis.
Fest der Generationen
Was das Fest besonders machte, war die Anwesenheit ganzer Familien: Viele der älteren Teilnehmenden wurden von ihren Kindern, Enkeln – ja sogar Urenkeln begleitet. Das Centro Loyola Reina wurde zum bunten Begegnungsort, wo vier Generationen gemeinsam feierten, lernten, tanzten und lachten. Den Schlussakkord setzte die Kinder-Theatergruppe „La Colmenita“ mit ihrer Aufführung von „Los Meñequitos“ – ein rührender, fröhlicher Austausch zwischen den Generationen, bei dem Jung und Alt gemeinsam auf der Bühne standen.
„Diese Abschlussfeier war mehr als ein Rückblick. Sie war ein Ausblick“, resümiert die Direktorin. Denn das Proyecto Otoño zeigt: Altern muss nicht Rückzug bedeuten – sondern kann eine Phase des Wachstums, der Begegnung und der Freude sein.
Unterstützung für die Arbeit der Loyola-Zentren:
Hoffnung für Kuba
Lebensmittel, Infrastruktur, Medikamente: In Kuba fehlt es an allem – nur nicht an staatlicher Repression und Reglementierung. Mit ihren vielfältigen Angeboten in sechs Loyola Zentren trotzen die Jesuiten und ihre Teams der harten kubanischen Realität und geben Zehntausenden Menschen Hoffnung



