– Syrien
„Der Anschlag ändert nichts, aber gleichzeitig so vieles“
Im syrischen Homs wurde der Österreicher Gerald Baumgartner SJ am Samstag zum Diakon geweiht. Dort hatte er zwei Jahre lang in der Jugendarbeit gearbeitet, bis er nach dem verheerenden Erdbeben 2023 von jetzt auf gleich die Koordination der Nothilfe übernahm. Im Interview erklärt er, warum Syrien gerade jetzt der richtige Ort für ihn ist, und wie er zusammen mit den anderen Jesuiten vor Ort versucht, einen gerechten Frieden zu säen.
„In Syrien kann sich alles immer ändern“
Warum sind Sie nach Syrien zurückgekehrt?
Da gibt es einerseits eine sehr banale Antwort drauf: Weil mich meine Oberen dort hingeschickt haben. Andererseits ist es in Syrien gerade nicht einfach, ist es schon länger nicht. Während meiner Zeit, als ich zum ersten Mal dort war, habe ich passabel Arabisch gelernt. Es war einfach von allen Seiten naheliegend, zurückzugehen. In Syrien herrscht eine große Not. Meine Oberen vertrauen mir so weit, dass ich dort gut wirken kann. Mit Gottes Hilfe versuche ich das.
Es war also auch Ihr Wunsch?
Ja, auf jeden Fall. Ich freue mich, weil ich Syrien unglaublich gern habe. Ich habe dort sehr viele schöne Sachen erlebt unter all den schrecklichen und viel gelernt, was es bedeutet, Ordensmann zu sein – und auch, was es bedeutet, Diakon und Priester zu sein.
Was sind Ihre Aufgaben in Aleppo?
Ich werde mich in Zukunft in verschiedenen pastoralen Aufgaben engagieren: Jugend-, Studierenden-, Pfadfinder- und Meditationsgruppen, aber auch Exerzitien. Was ich mache, mache ich nicht alleine, sondern wir wirken als Kommunität. Neben den spirituellen Angeboten haben wir hier auch ein Ausbildungszentrum, in dem wir Menschen Zusatzausbildungen ermöglichen, die zwar einen Abschluss, aber keinen Beruf gefunden haben. Außerdem versuchen wir, durch Kunst den Menschen zu helfen, sich selbst auszudrücken. Wir sind damit Teil der Strategie der jesuitischen Kulturzentren in den drei großen Städten im Land. Das ist ein sehr schöner Aspekt der Arbeit hier in Syrien: Dass wir Jesuiten sehr eng über verschiedene Städte hinweg zusammenarbeiten.
Sie werden also die Zeit, die Sie nun in Syrien verbringen, in Aleppo bleiben?
In Syrien gibt es nie irgendwas, bei dem man fix sagen kann: Das wird so sein. Alles kann sich immer ändern. Aber ja, Aleppo ist zumindest der Plan.
Der schreckliche Anschlag vom 22. Juni hat auch vieles geändert. Was bringt er für Konsequenzen für Ihr Leben und Ihre Arbeit mit sich?
Es ist noch nicht absehbar, was dieser Selbstmordanschlag an längeren Konsequenzen mit sich bringen wird, aber –
Das Telefonat bricht ab. Einige Minuten später ruft Gerald Baumgartner SJ zurück.
Spenden und helfen
Unterstützung für die Jesuiten in Syrien:
Syrien: Nachbarschaftszentren geben Halt
Nach 14 Jahren Bürgerkrieg droht Syrien eine ganze Generation zu verlieren: Sechs Millionen Schüler:innen zwischen 5 und 17 Jahren haben keinen regelmäßigen Unterricht, zwei Millionen besuchen überhaupt keine Schule. Unzählige Kinder und Jugendliche, viele von ihnen Binnenvertriebene, sind schwer traumatisiert. Nachbarschaftszentren des Jesuiten-Flüchtlingsdienst geben ihnen Halt und Perspektive

