– Kuba
Niemand muss allein bleiben
Kuba steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise. Lebensmittel und Medikamente sind knapp, die Preise steigen, die Renten reichen kaum zum Leben. Besonders hart trifft es ältere Menschen. Viele sind auf sich allein gestellt, weil ihre Kinder und Enkel das Land verlassen haben. Die Loyola-Zentren der Jesuiten schenken ihnen praktische Hilfe, Gemeinschaft und neue Lebensfreude.
Mehr als jeder vierte Mensch in Kuba ist inzwischen über 60 Jahre alt. Gleichzeitig schrumpft die Bevölkerung durch niedrige Geburtenzahlen und anhaltende Auswanderung. Zurück bleiben die Älteren.
Ihnen fehlt häufig die familiäre Unterstützung im Alltag, sie leiden meisten unter der wirtschaftlichen Not: Jahrelange Rezession, hohe Inflation, Versorgungsengpässe und die Auswirkungen der US-Sanktionen haben die Lebensbedingungen dramatisch verschlechtert. Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen haben immer mehr Menschen Schwierigkeiten, sich ausreichend und ausgewogen zu ernähren. Wer nur eine kleine Rente bezieht und keine finanzielle Hilfe von Angehörigen im Ausland erhält, ist besonders gefährdet.
„Ich komme von Herzen gern hierher“
Wie viel schon eine warme Mahlzeit und ein freundliches Wort bewirken können, erzählt Marlene. Sie besucht Kurse im Loyola-Zentrum Reina in Havanna und kommt regelmäßig zur Essensausgabe. „Das ist ein großer Segen. Ich hatte keine Familie, niemanden.“ Auch für Caridad ist die Begegnung mit anderen Menschen genauso wichtig wie das Essen: „Das Essen hilft mir sehr, denn ich bin allein und habe sonst niemanden, der mir helfen kann. Ich komme von Herzen gern hierher.“
In mehreren Jesuitenpfarreien gibt es mindestens zweimal wöchentlich ein Frühstück für bedürftige ältere Menschen, mancherorts zusätzlich ein gemeinsames Mittagessen. Doch die Hilfe endet nicht am gedeckten Tisch. Die Menschen finden ein offenes Ohr, psychologische und spirituelle Begleitung, medizinische Beratung und vor allem Gemeinschaft.
Mit 79 Jahren die digitale Welt entdecken
Die Loyola-Zentren wollen ältere Menschen aber nicht nur versorgen, sondern ihnen auch ermöglichen, selbstständig und aktiv zu bleiben. Besonders beliebt sind Smartphone-Kurse. Denn digitale Kenntnisse sind in Kuba zunehmend notwendig, um Rechnungen zu bezahlen, Rentenangelegenheiten zu regeln oder Kontakt zur Familie zu halten.
„Ich weiß jetzt, wie man online Geld überweist und Sprachnachrichten verschickt“, erzählt die 79-jährige Margarita voller Freude.
Die 75-jährige Susana hat noch eine andere Entdeckung gemacht: „Ich habe YouTube kennengelernt und kann dort Informationen über Medikamente finden. Und ich habe gelernt, mit meinem Sohn per Video zu telefonieren.“
Was für jüngere Menschen selbstverständlich ist, bedeutet für die beiden Frauen ein großes Stück Unabhängigkeit. Gerade wenn Kinder und Enkel im Ausland leben, kann ein Videoanruf die Entfernung für einen Moment überwinden.
Lebensfreude kennt kein Alter
Im Loyola-Zentrum Reina in Havanna hat das Programm „Otoño“, auf Deutsch „Herbst“, inzwischen mehr als 200 Teilnehmende. Das Angebot reicht von Tai-Chi, Pilates und Gedächtnistraining über Englisch und Computerkurse bis zu kreativem Gestalten, Theater, Gesang und spirituellen Angeboten.
Andere Initiativen ermöglichen älteren Menschen, mit handwerklichen oder landwirtschaftlichen Tätigkeiten ein kleines zusätzliches Einkommen zu erzielen. Auch kostenlose Friseur- und Kosmetikangebote gehören zur Unterstützung.
Die Loyola-Zentren lindern so die unmittelbare Not und stärken zugleich das Selbstvertrauen und die Würde älterer Menschen, durch Zuwendung, Gemeinschaft und das Gefühl, weiterhin gebraucht zu werden. Oder wie Marlene es ganz einfach ausdrückt: „Hier fühle ich mich unterstützt.“
Ihre Unterstützung für die Centros Loyola
Hoffnung für Kuba
Lebensmittel, Infrastruktur, Medikamente: In Kuba fehlt es an allem – nur nicht an staatlicher Repression und Reglementierung. Mit ihren vielfältigen Angeboten in sechs Loyola Zentren trotzen die Jesuiten und ihre Teams der harten kubanischen Realität und geben Zehntausenden Menschen Hoffnung


