– Naher Osten

Der Traum von neuen Syrien

Álvaro Dorantes, Jesuitenpater aus Mexiko, lebt und arbeitet im Nahen Osten. Den Sturz des Assad-Regimes hat er in Damaskus erlebt und blickt zurück auf ein paar Tage im Dezember, die nach einem halben Jahrhundert der Angst alles verändert haben.

Die Tage des Umsturzes waren von großer Anspannung und Unsicherheit geprägt. In nur zehn Tagen hat sich alles in Syrien verändert. Die Menschen erlebten die Freude über das Ende eines 54 Jahre andauernden Terrorregimes, doch zugleich wurden sie mit grausamen Wahrheiten konfrontiert.

Licht der Hoffnung

Die geöffneten Gefängnisse offenbaren das ganze Ausmaß des Schreckens: Tausende Tote, gefolterte Gefangene, Menschen, die seit mehr als 30 Jahren als vermisst oder tot galten und aus der Hölle von Bashars Kerkern zurück­kehrten. Es fühlte sich an wie das Ende der Zeit, wie eine Auferstehung der Toten. Inmitten dieser dramatischen Ereignisse erlebe ich den vergangenen Advent und spüre das Echo des Weihnachtsevangeliums in mir: „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein großes Licht.“

Seit Jahren marschieren wir in der Dunkelheit – in einem Regime des Schreckens, in einem 14 Jahre andauernden Krieg, in einem Land, das von Unsicherheit, Angst und Zweifeln geprägt ist. Wir haben das Leid gesehen: getrennte Fami­lien, Kinder, die arbeiten müssen, junge Männer, die vor dem Militärdienst fliehen, Hunger, Krankheit und die Massenflucht aus politischen und wirtschaftlichen Gründen. Doch nun ist uns ein Licht geschenkt worden – ein Licht der Hoffnung, der Gerechtig­keit und des Friedens.

Die junge Generation will Verantwortung übernehmen

Es geht dabei nicht um politische Gerechtig­keit oder Frieden allein. Vielmehr geht es um die Hoffnung Christi, die uns als Christen und als Kirche dazu aufruft, Brüderlichkeit, Nächstenliebe und gegenseitigen Respekt zu leben. In unserem Jesuitenzentrum „Beit Alberto Hurtado“ arbeiten wir mit jungen Menschen aller Religionen zusammen. Unser Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, an dem sich alle Menschen in ihrer Würde respektiert fühlen, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder sozialen Stellung. Beit Alberto verkörpert unseren Traum für ein neues Syrien – ein Syrien, in dem alle zusammenarbeiten und dem Wohl des Menschen dienen. 

Ein Vierteljahr nach dem Sturz des Regimes bestimmt unser Leben weiterhin eine Mischung aus Freude und Zweifel. Doch zugleich sehen wir eine Jugend, die endlich sprechen will, die sich ausdrücken möchte – nach mehr als einem halben Jahrhundert des Schweigens und der Angst. Diese junge Generation will über ihre Zukunft nachdenken, nicht nur politisch, sondern auch sozial und wirtschaftlich. Sie will Verantwortung übernehmen. 

Es ist ihre Kraft, ihr Mut und ihr Elan, die uns ermutigen, in Syrien zu bleiben und diesen Weg gemeinsam mit ihnen zu gehen. Denn ihre Hoffnung ist auch unsere Hoffnung. 

Álvaro Dorantes

Syrien: Da sein, trotz alledem

Die Folgen des Kriegs in Syrien sind allgegenwärtig: Zerstörte Häuser, fehlende medizinische Versorgung, explodierende Preise und soziale Spannungen prägen das Leben. Millionen stehen täglich vor unmöglichen Entscheidungen: Essen oder Medikamente? Schule oder Arbeit? Bleiben oder gehen? Die Jesuiten und die Teams des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes (JRS) bleiben präsent, begleiten Menschen in besonders betroffenen Vierteln von Aleppo, Homs und Damaskus – mit medizinischer Hilfe, psychosozialer Begleitung, Bildung und sicheren Orten für Kinder und Familien.

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