– Marokko
Centro Baraka: Leuchtturm der Hoffnung
In einer der ärmsten Regionen Marokkos begleiten Programme von Jesuiten und Caritas benachteiligte Frauen auf dem Weg zur Selbstermächtigung. P. Alvar Sánchez SJ gibt Einblicke in „eine Gemeinschaft, die bildet, begleitet, Würde verleiht.“
Nador im Nordosten Marokkos liegt direkt gegenüber der unüberwindbaren Grenze zur spanischen Enklave Melilla. Im Herzen dieser Stadt aber erzählt das Centro Baraka eine andere Geschichte und schafft einen Ort der Begegnung zwischen Kulturen, Religionen und Sprachen.
Seit 2009 unterstützt das kirchliche Projekt Frauen, die durch Verwitwung, Scheidung oder andere Umstände allein durchs Leben gehen müssen. Geleitet von den Werten Würde, Gerechtigkeit und Gleichheit, ist Baraka ein Ort des Aufbruchs.
Ausgrenzung überwinden
„Für Hunderte von Frauen und jungen Menschen ist dieses Projekt ein Leuchtturm der Hoffnung. Hier können sie ihr Leben neu aufbauen, fernab von Ausgrenzung und Unsicherheit“, sagt Schwester Celina, diözesane Delegierte.
Zentrumsleiterin Safae Azou beschreibt Baraka als „eine Gemeinschaft, die zuhört, bildet, begleitet und Würde verleiht. Viele Frauen finden hier den Weg in die Selbstständigkeit – durch angepasste berufliche Ausbildung, soziale Begleitung und geschützte Gesprächsräume.“
„Zum ersten Mal fühlen wir uns respektiert“
Das Bildungsangebot umfasst Kurse in Schneiderei, Konditorei, Kinderbetreuung, Elektrotechnik und Informatik, ergänzt durch Sprachunterricht und Workshops zur Frauenförderung. „Früher wusste ich nicht, was ich mit meinem Leben anfangen sollte“, erzählt Zohra, Mutter zweier Kinder. „Jetzt habe ich nicht nur Kenntnisse, sondern auch Vertrauen in mich selbst. Baraka hat mir Hoffnung gegeben.“
Damit Mütter teilnehmen können, bietet das Zentrum Kinderbetreuung mit Mittagessen und schulischer Unterstützung. Amal, eine junge Migrantin aus dem subsaharischen Afrika, berichtet: „Im Zentrum wird meine Tochter gefördert, während ich eine Ausbildung zur Konditorin mache.“
Baraka arbeitet ganzheitlich – mit rechtlicher Beratung, psychosozialer Betreuung und Sensibilisierungsangeboten. So entsteht ein starkes Netz aus Unterstützung und Gemeinschaft.
Leise, tiefgreifende Veränderung
Ein weiterer Schwerpunkt ist die berufliche Integration: Marktanalysen, Kooperationen mit Unternehmen und Hilfe bei der Gründung von Kleinstprojekten fördern nachhaltige Perspektiven. Das interdisziplinäre Team spiegelt die Vielfalt der Teilnehmerinnen wider. In einem Umfeld voller Unsicherheit und sozialer Spannungen werden die Mitarbeitenden zu verlässlichen Begleiterinnen und Begleitern auf dem Weg zur Selbstermächtigung.
Im Jahr 2024 nahmen dank der Unterstützung von jesuitenweltweit 347 Frauen an Ausbildungsworkshops teil. 129 Frauen aus ländlichen Gebieten um Beni Chiker profitierten von spezialisierten Modulen. Außerdem erhielten 104 Kinder und 75 Mütter umfassende Betreuung – ein echter sozialer Schutzraum.
Die Szenen aus dem Alltag – konzentrierte Gesichter an Nähmaschinen, Lachen im Sprachkurs, geschickte Hände beim Verzieren von Kuchen – erzählen von leiser, aber tiefgreifender Veränderung. „Das Centro Baraka hat mir gezeigt, dass ich fähig bin, dass ich einen Wert habe“, sagt Aïcha – mit einem Lächeln, das alles sagt.
Frauen und Mädchen schützen
In Marokko leben viele Frauen unter prekären Bedingungen: Gewalt und sexuelle Übergriffe sind an der Tagesordnung, aber werden häufig tabuisiert und selten geahndet. Alleinerziehende, verwitwete und geschiedene Frauen sind rechtlich benachteiligt und ökonomisch verwundbar. In Nador macht die Kombination aus Grenzlage, Migrationsdruck, ländlichen konservativen Normen und struktureller Benachteiligung die Lebensrealität für Frauen und Mädchen noch härter. Baraka verändert Lebensgeschichten – und trägt zum Aufbau einer gerechteren, inklusiveren Gesellschaft bei, in der jede Frau ihren Platz mit Würde finden kann.
Marokko: Im Einsatz für die Schwächsten
Marokko ist ein wichtiges Transitland für Migrantinnen und Migranten aus Afrika und dem Nahen Osten auf dem Weg nach Europa. Dieser Weg ist sehr gefährlich und endet immer wieder tödlich. Eine kleine Jesuitenkommunität im Nordosten des Landes steht Geflüchteten wie Einheimischen bei.


