– JRS Tschad
Bildung in Gefahr
Der Stopp der Entwicklungshilfe durch die USA hat gravierende Folgen für Millionen Kinder und Jugendliche im Globalen Süden. Viele Projekte in Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Ernährung und Kinderschutz wurden bisher durch internationale Entwicklungsprogramme – zu denen die USA bisher wesentlich beigetragen haben – finanziert. In Ländern wie dem Tschad kämpft der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) weiter für die Zukunft junger Menschen.
„Die Aussetzung der US-Finanzierung war für uns Schüler ein Schock. Alles wurde schwierig. Ich hatte Angst, dass mein Traum zerbrechen würde“: So beschreibt Alhafiz Mahamat Adam, Schüler im Flüchtlingslager Farchana im Osten des Tschad, die dramatischen Folgen der jüngsten Hilfskürzungen.
Auf dem Spiel steht nicht weniger als das Recht auf Bildung.
Ein fragiles Bildungssystem
Schon vor den Kürzungen war die Situation im Tschad schwierig. Rund die Hälfte aller Kinder im schulpflichtigen Alter besucht keine Schule. Wer eingeschult wird, erreicht oft nicht die Sekundarstufe. Besonders in ländlichen Regionen fehlt es an Gebäuden, ausgebildeten Lehrkräften und Lehrmaterial. Mädchen sind dabei besonders benachteiligt – ihre Chancen auf Schulbildung liegen deutlich unter denen der Jungen.
Gleichzeitig wächst der Druck durch langanhaltende Vertreibungen, den Klimawandel und den Krieg im benachbarten Sudan, der Hunderttausende in den Tschad treibt.
„Wir lassen die Kinder nicht im Stich“
In den Flüchtlingslagern Farchana und Kounoungou begleitet der Jesuit Refugee Service JRS Schülerkinder, Lehrpersonal und Eltern in ihrem Ringen um Bildung: „Als Bildungsbeauftragter habe ich gemeinsam mit dem JRS ein Treffen mit Gemeindevorstehern, Lehrkräften und Eltern organisiert“, berichtet Mahamat Khamis Ismail aus Farchana. „Wir haben beschlossen, die Lehrer aus eigener Kraft zu unterstützen. Manche unterrichten sogar ehrenamtlich weiter. Ohne den JRS hätten wir diesen Prozess gar nicht beginnen können.“
Auch für die Elternvereinigung von Farchana ist die Zusammenarbeit mit dem JRS zum Rettungsanker geworden: „Wir mussten unseren Plan aufgeben, neue Klassenräume zu bauen“, erzählt Mahamat Hassan Ali. „Doch der JRS hat uns geholfen, Alternativen zu finden.“ Trotzdem: „Viele junge Menschen sind abgewandert – in die Goldminen, in die Städte oder auf gefährliche Routen nach Europa.“
Schulen am Limit
„Wir haben das Schuljahr abgeschlossen, aber ohne Bezahlung wird es schwer, die Motivation zu halten“, erklärt Lehrer Moutassim Ahmat Yaya aus Kounoungou. „Schon jetzt sind viele Schülerinnen und Schüler mitten im Schuljahr ausgestiegen. Die Erfolgsquoten in den Prüfungen sinken.“
Dennoch halten viele junge Menschen an ihren Träumen fest. „Ich wollte Hydraulikingenieur werden, um meiner Gemeinschaft zu helfen“, sagt Alhafiz. „Als die Gelder ausblieben, dachte ich, mein Traum sei geplatzt. Doch dank des JRS und der Gemeinschaft konnte ich meine Prüfungen machen.“ Auch Schülerin Ikram Aboubacar Abdallah schöpft Mut: „Ich wollte Ärztin werden. Zuerst hatte ich keine Hoffnung mehr. Doch als wir die Prüfungen bestanden, wusste ich: Es gibt noch Chancen.“
Hoffnung durch Bildung
Für den JRS ist klar: Bildung ist der Schlüssel zur Würde und zur Zukunft der Geflüchteten im Tschad. Sie bietet nicht nur Wissen, sondern auch Halt, Schutz und Perspektiven in einem Leben, das von Unsicherheit geprägt ist.
Das Engagement des JRS im Tschad ist ein Zeichen der Hoffnung – aber ohne internationale Solidarität nicht genug. Denn jedes Kind hat das Recht auf Bildung. Und keine Kürzung darf dieses Recht infrage stellen.


