F: CONCORDIA Moldau

 – Flucht aus der Ukraine

Osternacht in Bolohani

Wie feiert man Ostern, wenn in der Heimat Krieg herrscht? Einer geflüchteten ukrainischen Familie brachte das Fest in der Republik Moldau Ruhe, neue Freundinnen und ein Stück Normalität – aber auch einen Rückschlag...

Es ist der Vorabend des orthodoxen Ostersonntag und drei ukrainische Mütter stehen in der Küche und bereiten die traditionellen Salate vor, Eier kochen am Herd, der Duft von gedünstetem Gemüse und Mayonnaise liegt in der Luft. Obwohl in ihrer Heimat Bomben und Raketen geschossen werden, fühlt es sich hier doch nach einem Stück Zuhause an.

Eine der Mütter heißt Liuba, sie erzählt, dass sie mit ihren Kindern nach Mitternacht in die Kirche gehen wird, um das heilige Licht zu holen. Die Kinder erleben dieses Ritual zum ersten Mal. Während Liuba alles vorbereitet, schwelgt sie in Erinnerungen an ihre Großmutter: „Sie kochte immer eine „Okroshka“ an Ostern. Das ist eine kalte Suppe, die aus Kwas (einem Brotgetränk), Fleisch und Gemüse besteht. Sie schmeckt sauer und zugleich bitter.“ Lauscht man Liubas Beschreibung, muss es sich wohl um die beste Suppe der Welt gehandelt haben. „Danach gab es immer Berge voll Essen, und das obwohl meine Oma kein Wasser im Haus hatte. Aber die größte Freude für meine Oma war es, dass die ganze Familie zusammengekommen ist“, erzählt die Mutter weiter.

Überraschende Gastfreundschaft

Liuba erzählt auch von dem kleinen Dorf Bolohani, in dem sie nun leben, und wie es mittlerweile zu ihrem Zuhause wurde. Sie ist vor allem von der Herzlichkeit der Moldauer:innen überwältigt: "Es war nicht schwer, sich an das Leben hier zu gewöhnen, denn wir haben dieselben Traditionen, wir sprechen alle dieselbe Sprache und wir sind offen füreinander. Ehrlich gesagt, bin ich erstaunt über die Freundlichkeit der Menschen. Ich habe zwei ältere Frauen kennengelernt, die zum Osteressen vorbeikommen werden und eine Ente und ein Huhn mitbringen. Kannst du das glauben? Eine Frau, die uns bis vor ein paar Wochen noch nicht kannte, holt eine Ente aus ihrem eigenen Garten – sie hat keinen Bauernhof, nur ein paar Enten – und eine davon möchte sie für unser Osterfest kochen.“

Irgendetwas liegt in der Luft...

Während Liuba in der Küche steht, spielen die Kinder in der Stube. Insgesamt sieben Kinder zwischen drei und zehn Jahren haben sich hier ihre eigene Welt geschaffen, in der sie aufeinander Acht geben. Wirklich überraschend ist die Ruhe die hier herrscht, keine Autogeräusche, kein Hundegebell, kein Fernseher, nur die Stimmen der Kinder. Doch dann ändert sich die Stimmung, irgendetwas liegt in der Luft. Liuba kommt in den Raum und teilt den Kindern mit, dass in der Heimat ein ziviles Gebäude getroffen wurde. Auch wenn die Kinder noch nicht ganz verstehen was ihre Mutter da gesagt hat, wiederholen sie doch ihre Worte. Diese Nachricht an einem Festtag ist ein Rückschlag, Liuba vergewissert sich am Telefon, dass niemand von ihren Verwandten verletzt wurde.

Dann kommt der meist ersehnte Moment für die Kinder – das Aufkleben der Bilder auf die Ostereier. Dabei werden die Eier in Aufkleber gesteckt und in heißes Wasser getaucht, wodurch die Bilder die Form der Eier annehmen. Sogar ein paar muslimische Kinder machen mit. Man sieht den Stolz in den Augen der Kleinen als sie ihre fertigen Kreationen aus dem Wasser heben.

Trotz den Schmerzes den die Mütter in diesen schweren Zeiten im Herzen tragen, zeigen sie ihren Kindern gegenüber nicht nur an diesen Feiertagen Sanftheit und Liebe.

Katharina Wagner, CONCORDIA Sozialprojekte

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