– Südsudan

Mit Kreide und Mut: Eine junge Lehrerin verändert Leben

Die 19-jährige Athiei aus Rumbek zeigt, wie Bildung, Vertrauen und Förderung neue Perspektiven für eine ganze Gemeinschaft schaffen. 

Athiei Dut Malual lächelt, wenn sie vor ihrer Klasse steht. Die 19-Jährige ist Englischlehrerin in Rumbek, Südsudan, und Teil eines Bildungsprogramms, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern Perspektiven eröffnet. Ihre Geschichte steht beispielhaft für die Kraft von Bildung und für den Mut junger Frauen in einem schwierigen Umfeld.

Athiei wurde 2006 in Khartum im Sudan geboren. Nach den Wirren des Bürgerkriegs kehrte ihre Familie in den Südsudan zurück. Zuvor hatte Athiei zwölf Jahre in Uganda gelebt, wo sie ihre Schulbildung begann. 2020 kam sie schließlich nach Rumbek. Dort schrieb sie sich am St. Peter Claver Computer and Ecological Training Center (SPCECC) für einen Computerkurs ein. Eine Entscheidung, die ihr Leben veränderte.

Nach Abschluss der Computerausbildung wurde Athiei eingeladen, als Praktikantin im Global English Language Program von Jesuit Worldwide Learning (JWL) zu unterrichten. Heute bringt sie A1-Lernenden Englisch als Zweitsprache bei. Parallel dazu nimmt sie seit September des vergangenen Jahres an einem 28-wöchigen Online-Fortbildungsprogramm für Lehrkräfte teil. Unterrichten und Lernen gehen für sie Hand in Hand: „Während ich unterrichte, lerne ich selbst, wie ich eine bessere Lehrerin werde und mein Wissen wirksam mit meiner Gemeinschaft teilen kann.“

„Eine meiner größten Errungenschaften ist es, als Frau Lehrerin zu sein“

Ihre Schülerinnen und Schüler kommen aus unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Hintergründen. Viele möchten Englisch für den Alltag, für den Beruf oder für ein Studium lernen. Auch Arabischsprechende sind in ihren Klassen, obwohl Athiei selbst nur wenig Arabisch versteht. Sie setzt bewusst Englisch als Unterrichtssprache, vereinfacht Inhalte und ermutigt dazu, ohne Übersetzungen zu lernen. Der Erfolg ist sichtbar: „Meine Schülerinnen und Schüler können sich heute viel besser ausdrücken als zu Beginn. Zu wissen, dass meine Arbeit das Leben eines Menschen positiv beeinflusst, macht mich sehr glücklich.“

Besonders herausfordernd und zugleich motivierend ist ihre Rolle als junge Frau in einem Umfeld, in dem Frauen oft auf die Rolle von Ehefrauen oder Hausfrauen reduziert werden. Viele ihrer Lernenden sind Männer. Gerade das spornt Athiei an. „Eine meiner größten Errungenschaften ist es, als Frau Lehrerin zu sein in einer Gesellschaft, in der Frauen oft als weniger fähig angesehen werden.“

Ihr Dank gilt den Unterstützerinnen und Unterstützern der Bildungsprogramme. Ohne ihre Hilfe hätte Athiei diese Chance nicht erhalten. Heute kann sie der Gemeinschaft, aus der sie stammt, etwas zurück­geben und erlebt, wie Bildung Leben verändert.

Zum Schluss richtet sie eine Botschaft an andere Mädchen: „Die Menschen werden immer reden und vieles sagen. Aber egal, was sie sagen: Ihr habt die Fähigkeit, erfolgreich zu sein.“

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JWL: Bildung bringt Frieden

Hochwertige Bildung in den Krisengebieten und Flüchtlingslagern der Welt ist seit 15 Jahren das Ziel des weltweiten Netzwerkes „Jesuit Worldwide Learning“: vom Sprachkurs über eine Berufsausbildung bis zum Abschluss an einer renommierten Hochschule. In 32 Ländern, vom Nordirak bis nach Amazonien, geben die Programme Perspektive, Selbstvertrauen und verhindern Fluchtursachen.

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