JWL: Gesundheit beginnt mit Wissen

Hochwertige Bildung in den Krisengebieten und Flüchtlingslagern der Welt ist seit 10 Jahren das Ziel des weltweiten Netzwerkes „Jesuit Worldwide Learning“: von einer Berufsausbildung bis zum Abschluss an einer renommierten Hochschule. Mit einem neuen Programm bringen JWL und medmissio Gesundheitswissen dorthin, wo medizinische Hilfe fehlt.

JWL

Ort:
weltweit

Partner:
Jesuit Worldwide Learning (JWL), medmissio – Institut für Gesundheit weltweit

Zielgruppe:

  • Jugendliche und junge Erwachsene weltweit ohne Zugang zu hochwertiger Bildung. Dazu gehören Geflüchtete, Menschen in Krisen- oder Konfliktgebieten, sozial marginalisierte Gruppen und isolierte Gemeinschaften. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Förderung von Mädchen und Frauen.
  • 2023 haben 10.134 Studierende aus 32 Ländern an insgesamt 20.103 JWL-Programmen teilgenommen, 51 Prozent von ihnen sind weiblich.

So hilft Ihre Spende:

JWL wurde zu einer Erfolgsgeschichte für Zehntausende Absolventinnen und Absolventen. Das Blended Learning-Modell, kombiniert Arbeit in Lernzentren mit Online-Kursen und globaler Vernetzung. 

Wir fördern 2026 die Entwicklung des Public-Health-Programms sowie die Durchführung bereits laufender Programme mit 150.000 Euro. 

  • 140 Euro ermöglichen die Teilnahme an einem 8-wöchigen berufsbildenden JWL-Kurs
  • 420 Euro finanzieren ein sechsmonatiges berufliches Zertifikatsprogramm
  • 3.690 Euro ermöglichen ein vollständiges dreijähriges Bachelorstudium

Gesundheit lernen, bevor Krankheit beginnt

medmissio, Institut für Gesundheit weltweit mit Sitz in Würzburg, entwickelt für JWL Ausbildungsmodule in Public and Community Health. Sie werden in unterschiedlichen Weltregionen Fachleute befähigen, Gesundheitsrisiken zu erkennen, Prävention zu stärken und Wissen weiterzugeben.

Weltweit waren Ende 2025 rund 117,8 Millionen Menschen auf der Flucht, 41,6 Millionen von ihnen mussten ihre Heimatländer verlassen. Die meisten finden Schutz in Ländern mit knappen Ressourcen. Dort wird Gesundheit zur Gemeinschaftsaufgabe: in überfüllten Camps, bei langen Wegen zur Klinik, bei fehlendem Fachpersonal, oft ohne Zugang zu Wasser, Nahrung und Medikamenten.

Was macht krank? Was hält gesund?

Wenn Carina Dinkel über Gesundheit spricht, beginnt sie nicht erst am Krankenbett. Die Ärztin von medmissio, Institut für Gesundheit weltweit, schaut auf die Bedingungen, die Menschen krank machen oder gesund halten. „Public Health zielt nicht auf den Einzelnen, sondern darauf, was wir tun müssen, um möglichst viele Menschen gesund zu halten“, sagt sie.

Diese Perspektive bringt medmissio in ein neues Programm ein, das für JWL konzipiert wird.

Der Arbeitstitel lautet „Certificate Public and Community Health“. Geplant ist ein einjähriger Kurs mit 30 ECTS-Punkten für Menschen, die sonst kaum Zugang zu tertiärer Bildung haben. Der Pilot soll in bestehenden JWL-Learning-Centers starten, unter anderem in Kakuma in Kenia, Dzaleka in Malawi, im Nahen Osten sowie an JWL-Stützpunkten in Asien und Latein­amerika.

Ein globales Problem

Wie groß der Bedarf ist, zeigen die Zahlen: In Kakuma und dem benachbarten Kalobeyei leben mehr als 316.000 registrierte Asylsuchende. Das Camp Dzaleka in Malawi war ursprünglich für bis zu 12.000 Menschen gedacht, heute leben dort mehr als 52.000.

Die Stimmen aus den Orten zeigen, worum es geht. In Dzaleka sagt Jordan Ibochwa Christian, das Camp sei ein Ort, an dem Menschen mit Behinderungen, Stress und Ausgrenzung leben. Viele seien anfällig für Krankheiten, zugleich gebe es nur ein Gesundheitszentrum. Ein Public-Health-Programm sei deshalb „wirklich, wirklich relevant“. Und: „Es wäre das erste Mal, dass ein Programm wie dieses angeboten wird. Es gibt keine tertiäre Bildung im Camp.“

In Kakuma denkt Consolee Muvunyi an Krankheitsausbrüche. Menschen müssten wissen, wie sie sich schützen, wie sie die Ausbreitung eindämmen und andere aufklären können. Community Health Promoters gebe es zwar, vielen fehlten Ausbildung und Ressourcen. Nach ihrem Abschluss würde sie gerne in ihrer eigenen Gemeinde wirken.

Auch in Bendum, Heimat einer indigenen Community auf den Philippinen, klingt diese Hoffnung an: Bildung soll junge Menschen nicht wegführen, sondern ihnen ermöglichen zu bleiben. Eine junge Frau wünscht sich Lernangebote zu Erster Hilfe, Pflege und Geburtshilfe. „Die Community braucht die jungen Menschen, damit sie bleiben und führen“, sagt sie.

Pater Evaristus Ekwueme SJ, akademischer Berater bei JWL, sieht an den afrikanischen JWL-Standorten enormen Bedarf, aber erkennt eine große Chance: „JWL hat bislang noch kein eigenes Gesundheitsprogramm, ist aber in 18 afrikanischen Ländern mit 24 Community Learning Centers und Partnerorganisationen präsent.“

Lokale Lösungen

Viele Menschen setzen bei Gesundheitsfragen stark auf lokales und traditionelles Wissen. Ein Programm müsse daran anknüpfen, dieses Wissen prüfen und erweitern. „Gesund­heits­ver­sorgung ist für alle da, für Studierende, Fami­lien, Kinder, Erwachsene und die gastgebenden Gemeinschaften“, sagt P. Ekwueme. Die Absolventinnen und Absolventen werden befähigt, gemeinsam „lokale Lösungen zu schaffen, die nachhaltig sind“.

Der Kurs folgt dem JWL-Prinzip: online lernen, begleitet von Tutorinnen und Tutoren, dazu wöchentliche Treffen im Learning Center. Dort wird aus globalem Wissen lokale Praxis. Eine Aufgabe kann in Syrien, Kakuma oder Bendum dieselbe Frage stellen und drei verschiedene Antworten hervorbringen.

Von Tag eins in die Praxis

In acht Modulen sollen die Studierenden medizinisches Basiswissen und die Grundlagen von Zugangsgerechtigkeit, Prävention, Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene, Mental Health, Gesundheitskommunikation und Projektmanagement lernen, erklärt Carina Dinkel. Dazu kommt Planetary Health: Gesundheit im Zusammenspiel mit Umwelt, Klima und sozialen Systemen. Wärmere Gewässer verändern Krankheitserreger, Mücken breiten sich aus, Hitze trifft Alte, Kranke und Kinder.

Noch ist vieles im Aufbau: Akkreditierung, Lehrmaterialien und Tutorentraining müssen vorbereitet werden. Ein Start zum Wintersemester 2027 wäre aus Sicht von medmissio realistisch.

Weltweit fehlen laut WHO bis 2030 voraussichtlich elf Millionen Gesundheitsfachkräfte, vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Daher setzt der Kurs dort an, wo Gesund­heits­ver­sorgung lange vor der Behandlung beginnt: bei Prävention, Aufklärung, Früherkennung und der Frage, wie Wissen im Alltag ankommt. Genau darum gehe es, sagt Carina Dinkel: um Bildung, die „von Tag eins in die Praxis geht“.

Multiplikatoren der Entwicklung

Rund 40 Prozent aller jungen Menschen weltweit haben Zugang zu höherer Bildung. Der Anteil unter Geflüchteten liegt bei gerade sechs Prozent: In Krisenregionen nimmt das einer ganzen Generation jede Perspektive, verhindert Entwicklung und schafft neue Konflikte.

Seit 10 Jahren macht das jesuitische Hochschulprogramm JWL für Zehntausende Absolventinnen und Absolventen einen Unterschied. Das Konzept von Jesuit Worldwide Learning umfasst akademische und berufsbildende Online-Kurse, gemeinsames Arbeiten in Lernzentren und weltweite Vernetzung der Studierenden.

Nordirak: von Kriegsopfern zu Friedensbringerinnen

Vor zehn Jahren sind Bafreen und Hiz rat vor dem Völkermord durch den „Islamischen Staat (IS)“ geflohen. Seitdem leben sie mit Zehntausenden anderen Menschen jesidischen Glaubens im Khanke-Camp im Nordirak. „Ich durchlebte Depressionen und verlor den Sinn für Frieden in meinem Leben“, erinnert sich Hizrat, Überlebende des Massakers: „Genau den wollte ich wiederfinden, so beschloss ich, mich in den Studiengang,Peace Leader‘ bei JWL einzuschreiben.“

Hizrat und Bafreen haben während des sechsmonatigen Programms, das JWL in Zusammenarbeit mit dem kenianischen Hekima University College entwickelt hat, eine Transformation durchlebt: von Kriegsopfern zu Friedensbringerinnen für ihre Gemeinschaft.

Hizrat und Bafreen sind zu Vorbildern geworden: sowohl für alle Mädchen als auch für andere gut ausgebildete Mitglieder ihrer Gemeinschaft. Anstatt nach ihrem Abschluss nach Europa aufzubrechen, ist Hizrat jetzt die Koordinatorin des JWL-Community-Lernzentrums im Khanke-Camp. Dort sind mittlerweile 60 jesidische Jugendliche im Englischprogramm eingeschrieben, 18 weitere qualifizieren sich im Programm „Interreligiöse Zusammenarbeit für Frieden“ oder lassen sich als Lehrkräfte ausbilden. Die angehenden Lehrerinnen und Lehrer nehmen auch regelmäßig an Online-Kursen der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt teil. Einige jesidische Studierende streben einen Bachelor in Nachhaltiger Entwicklung an der Xavier University in Bhubaneswar, Indien, an.

Kenia: Der Gemeinschaft dienen

Ohne Bildung lebt es sich wie in einem dunklen Raum. Aber mit Bildung wird man zu einer Person, der ein Licht aufgeht, einer Person, die für die ganze Welt strahlen kann“: Das sagt Consolée, eine junge Frau aus Ruanda, die seit über 20 Jahren im Kakuma-Flüchtlingslager in Kenia lebt. Als sie jung war, erfuhr Consolée in ihrem Streben nach Bildung von ihrer Gemeinschaft wenig Unter­stützung, aber wie ihre ältere Schwester (auch eine JWL-Absolventin) hielt sie durch. Nach ihrem Diplom in Liberal Studies schrieb sie sich für den Bachelor-Studiengang in Nachhaltiger Entwicklung ein und wurde selbst zu einer Tutorin für andere Studierende.

„In Kakuma wissen die meisten Menschen nicht, wie sie ihren Abfall entsorgen sollen, und deshalb brechen häufig Krankheiten aus“, berichtet Consolée, doch in ihrem Studium ist das Thema Abfallmanagement wichtiger Teil des Curriculums. Der Lehrstoff rund um Land­wirt­schaft vermittelt ihr die Fähigkeiten, ihre Gemeinschaft dabei zu unterstützen, nachhaltig Nahrungsmittel zu produzieren und dadurch unabhängiger zu werden. Ein Beispiel für diese Un­ab­hängig­keit ist das „Kakuma Social Agri-Venture“, gegründet von Dominic und Nilwa, beide mit Bachelor in Nachhaltiger Entwicklung: „Wi liefern Gemüse und Obst zu erschwinglichen Preisen, verbessern so die wirtschaftliche Lage der anderen.“

Hüterinnen des Amazonas

Die Waorani leben in Dikaro im Yasuní-Nationalpark, einer der biologisch vielfältigsten Regionen der Erde. Trotz ihrer tiefen Verbundenheit mit dem Wald sind sie und ihr Territorium durch Ölförderung, Abholzung und Extraktion von Rohstoffen bedroht. Ökosystem, Kultur und Lebensweise der Waorani sind in Gefahr. 

Junge indigene Waorani-Frauen stärken mit Bildungsprogrammen von Jesuit Worldwide Learning ihre Gemeinschaft und den Schutz des Regenwaldes. In einem anerkannten Kurzstudiengang in Ökotourismus erwerben sie Wissen, Selbstvertrauen und Führungskompetenzen, um Umwelt, Kultur und Territorium gegen Bedrohungen wie Abholzung und Rohstoffabbau zu verteidigen.

Das Gelernte setzen sie praktisch um, etwa beim Aufbau einer Ökolodge, die nachhaltige Ein­kommens­quellen schafft und Identität bewahrt. Absolventin Laura bringt es auf den Punkt: „Als Frauengruppe wollen wir unser Land und unsere Kultur erhalten und Wege zur wirtschaftlichen Entwicklung finden, die keinen Schaden anrichtet.“

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