Bangladesch: Schutz und Perspektiven für Rohingya-Frauen

Rund 1,2 Millionen Rohingya leben in den Flüchtlingslagern von Bangladesch. Besonders Frauen sind von Armut und Diskriminierung betroffen. Ein Ort, der ihnen Schutz und neue Perspektiven bietet, ist das Frauenzentrum Shanti Khana.

Projekt Rohingya (X33500)

Ort:
Cox’s Bazar, Bangladesch

Partner:
P. Alexander Pak Sang-hun SJ, Direktor der Menschenrechtsorganisation Asian Dignity Initiative (ADI)

Zielgruppe:

Das Flüchtlingslager Kutupalong liegt im Distrikt Cox’s Bazar im südöstlichen Bangladesch an der Grenze zu Myanmar und gilt als größtes Flüchtlingslager der Welt. Besonders Frauen und Mädchen sind von Armut, Isolation, Gewalt und fehlenden Bildungs- und Gesundheitsmöglichkeiten betroffen. Das Zentrum „Shanti Khana“ bietet ihnen einen geschützten Ort, psychosoziale Unter­stützung und Bildung. Es stärkt Frauen dabei, Traumata zu verarbeiten, selbstbestimmt für ihren Lebensunterhalt zu sorgen und ihre Stimme zu erheben. 

So hilft Ihre Spende:

  • Grundlegende Fähigkeiten: Frauen erhalten die Möglichkeit, Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen und dadurch ihre Selbstständigkeit zu stärken.
  • Praktische Unter­stützung: Materialien und Ausbildungsangebote erleichtern den Alltag und eröffnen neue Möglichkeiten zur Sicherung des Lebensunterhalts.
  • Psychosoziale Unter­stützung: Betroffene erhalten Zugang zu psychosozialer Begleitung und einem geschützten Ort, an dem sie nach Erfahrungen von Gewalt und Vertreibung Unter­stützung finden können.
  • Stärkung der Stellung von Frauen: Sensibilisierungsveranstaltungen für Männer und Frauen fördern das Bewusstsein für Gleichberechtigung, Geschlechterrollen und die Rechte von Frauen.

Heimatlos, auch neun Jahre nach der Vertreibung

Der in Myanmar vorherrschende Nationalismus spricht den Rohingya den Status einer ethnischen Minderheit ab. Gemäß dem Myanmar Citizenship Law, 1982 von der Militärregierung erlassen, besitzen Rohingya keine Staats­bürgerschaft. Ihnen werden grundlegende Menschen­rechte verweigert. Jahrzehntelange religiöse Diskriminierung und Verfolgung mündeten 2017 in einem Völkermord. Bei pogromartigen Militäreinsätzen gegen die muslimische Minderheit wurden Zehntausende von ihnen getötet, Hunderttausende flohen ins Nachbarland Bangladesch. Da Bangladesch die Genfer Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet hat, haben sie dort keinen rechtlich gesicherten Status. Gleichzeitig sind sie staatenlos, da Myanmar ihnen die Staats­bürgerschaft verweigert.

Die meisten Geflüchteten leben im weltweit größten Flüchtlingslager Kutupalong nahe der Stadt Cox’s Bazar. Sie dürfen die Lager nur mit behördlicher Genehmigung verlassen. Sie haben kein Recht auf reguläre Erwerbsarbeit außerhalb der Lager, weshalb sie auf externe Unter­stützung angewiesen sind. 

Frauen ohne Perspektiven

Die langanhaltende Fluchtsituation und Kürzungen in der humanitären Hilfe verschärfen ihre Not. Besonders Frauen sind von extremer Armut betroffen. Die meisten hatten bereits vor ihrer Flucht kaum Zugang zu Schulbildung und verfügen daher nur über begrenzte Möglichkeiten, selbstständig Einkommen zu erzielen oder wichtige Entscheidungen für sich und ihre Fami­lien zu treffen.

Shanti Khana: Raus aus der Abhängigkeit!

Hier setzt die vom koreanischen Jesuitenpater Alexander Pak Sang-hun SJ geleitete Menschen­rechtsorganisation Asian Dignity Initiative (ADI) an. Gemeinsam mit jesuitenweltweit unterstützt sie auch 2026 Rohingya-Frauen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmteres Leben. ADI setzt sich in verschiedenen Konfliktregionen Asiens für Menschenwürde, Gerechtig­keit und Frieden ein.

Dabei arbeitet die Organisation eng mit den Menschen vor Ort zusammen: Sie dokumentiert Menschen­rechts­ver­letzungen, unterstützt beim Wieder­auf­bau des Alltags und entwickelt gemeinsam mit den betroffenen Gemeinschaften Wege, die langfristig mehr Sicherheit und Selbstständigkeit ermöglichen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Frauen. Gerade in Krisen und Konflikten sind sie häufig von Gewalt, Ausgrenzung und wirtschaftlicher Not betroffen. ADI versucht deshalb, nicht nur akute Hilfe zu leisten, sondern Frauen dabei zu unterstützen, sich neue Perspektiven aufzubauen und wieder stärker über ihr eigenes Leben bestimmen zu können. Wie das konkret aussehen kann, zeigt die Arbeit im von ADI mitbegründeten Zentrum „Shanti Khana“.

Dort beginnt die Unter­stützung bei grundlegenden Fähigkeiten: Frauen können lesen, schreiben und rechnen lernen. Darauf bauen praktische Ausbildungsangebote auf, die ihnen neue Möglichkeiten für den eigenen Lebensunterhalt eröffnen. Sie lernen unter anderem das Bäcker- und Konditorhandwerk, Schneiderei sowie die Herstellung von Batik-, Makramee- und Holzarbeiten. Doch auch das nötige Wissen für den Schritt in die Selbstständigkeit gehört dazu. In Kursen lernen die Teilnehmerinnen etwa, Einnahmen und Ausgaben zu dokumentieren, Lagerbestände zu verwalten und Kosten, Gewinne und Verluste zu berechnen.

So verbindet die Arbeit von „Shanti Khana“ Bildung und praktische Ausbildung mit der Möglichkeit, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Für die Frauen bedeutet das mehr als eine berufliche Qualifikation: Es kann ein wichtiger Schritt zu mehr Un­ab­hängig­keit und einem selbstbestimmteren Leben sein.

Das erste eigene Einkommen

„Ich bin so dankbar dafür, dass ich nach meiner Ausbildung im Zentrum Nähmaterialien erhalten habe. Mein Sohn hat eine Behinderung und braucht viele Medikamente. Seit ich die Nähmaschine habe und Aufträge aus der Gemeinde bekomme, konnte ich von zu Hause aus 4.000 Taka verdienen. Mit dem Geld kann ich endlich meine Familie unterstützen“, sagt Noor, eine ehemalige Teilnehmerin.

Der nächste Schritt: Ein Marktplatz für die Produkte der Frauen

„Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus unserer Arbeit ist, dass es Rohingya-Frauen nicht an Fähigkeiten fehlt, sondern an Möglichkeiten“, betont ADI-Projektmanagerin Yewon Jeon.

Viele Teilnehmerinnen betreiben bereits kleine Heimunternehmen, doch der Zugang zur Kundschaft bleibt eine Herausforderung. ADI plant daher, einen dauerhaften Gemeinschaftsladen einzurichten, in dem die Frauen ihre Produkte gemeinsam präsentieren und verkaufen können.

So soll die Dauerhaftigkeit ihrer Einkommensmöglichkeiten sichergestellt werden.

Alle einbeziehen

Nachhaltige Veränderung gelingt jedoch nur gemeinsam. Deshalb bezieht das Projekt auch Ehemänner und andere Fami­lienmitglieder in Workshops zu Gleichberechtigung und der wirtschaftlichen Teilhabe von Frauen ein. So entstehen Veränderungen, die weit über ein zusätzliches Einkommen hinausgehen. In regelmäßigen Sensibilisierungsveranstaltungen werden Themen wie Gleichberechtigung und Geschlechterrollen behandelt. 

So schafft Shanti Khana nicht nur neue Einkommensmöglichkeiten, sondern stärkt Frauen in ihrer Selbstständigkeit und gibt ihnen – trotz Flucht und Perspektivlosigkeit – die Chance auf eine selbstbestimmtere Zukunft.

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