– JWL Irak

„Es ist nicht leicht, aber ich schaffe es“

Seit 2017 ist Jesuit Worldwide Learning mit Lernzentren im Irak präsent. Katrin Morales, Ge­schäfts­führerin von jesuitenweltweit Österreich, war zu Besuch in der autonomen Region Kurdistan.

„Es ist nicht leicht, aber ich schaffe es“: Eine der Frauen aus dem JWL-Zentrum in Erbil beschreibt so ihren Alltag. Ein Satz, der wohl für viele der Teilnehmerinnen an den Kursen gilt. Das Zentrum ist bewusst in einer zentralen Gegend abseits der wohlhabenden Viertel angesiedelt. Viele kommen am Abend direkt nach der Arbeit, sehr oft zu Fuß. Manche bringen ihre Kinder oder jüngeren Geschwister mit.

Mit Ernsthaftigkeit, aber auch Humor leitet die Englischlehrerin die Klasse an. Geübt wird Alltagskonversation, Gesprächsthema heute: Einkaufen. Alle sind aktiv dabei: Die Teenager erzählen, dass sie sehr gerne ins Einkaufszentrum gehen, die Mütter vom Einkauf von Lebensmitteln für die Familie.

„JWL hat mein Leben verändert“

Auch auf den Gängen und im Aufenthaltsraum wird gelernt und geplaudert. Wir kommen mit einer Gruppe ins Gespräch. Die Hintergründe und Lebensrealitäten sind vielfältig.

Shayan und Bakhtawar, zwei Schwestern, stammen aus Erbil, ein Mann aus Syrien, und Fatima ist aus Pakistan nach Erbil gekommen. Alle haben bereits eine Ausbildung. Eine der Teilnehmerinnen am Kurs für Lehrerfortbildung erzählt stolz, dass sie dank JWL jetzt eine gut bezahlte Stelle an einer internationalen Volksschule hat.

Silvia konnte sich dank des Abschlusses in Finanzverwaltung beruflich verbessern. Silvia wuchs in Hasake im kurdischen Teil Syriens auf, doch ihre Jugend war geprägt von Flucht und Vertreibung. Mit dreizehn Jahren kam sie mit ihrer Familie in den Irak und lebte im Lager Domiz. Ihr Vater arbeitete in einer anderen Region, das Geld reichte gerade für das absolute Minimum.

Silvia kämpfte für ihre Chance, die Schule bis zum Abschluss zu besuchen. An ihrem 19. Geburtstag heiratete sie ihren Cousin und zog nach Erbil. Kurz darauf wurde sie schwanger. Die Fortsetzung ihrer Ausbildung scheiterte an den hohen Studiengebühren – bis sie zu JWL kam.

2023 fing sie mit den Englischkursen an. Schritt für Schritt entwickelte sie sich weiter. Ihr Weg war nicht einfach. Ihr Mann erlaubte ihr die Teilnahme nur, wenn sie dafür kein Geld ausgeben würde. Jeden Tag ging Silvia also zu Fuß zum Unterricht und schaffte den Spagat zwischen Mutter- und Ehefrau-Sein, Beruf und Studium.

2024 schloss sie die Englischkurse ab und begann mit dem Kurs für Wirtschaft und Finanzen. Ihre harte Arbeit eröffnete echte Möglichkeiten. Silvia bekam eine Anstellung bei einem Eventunternehmen in Erbil, wo sie dank ihres Zertifikats in Betriebswirtschaft in Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Buchhaltung tätig ist.

Lernen für den Frieden

Das Domiz Camp in der Nähe der Stadt Duhok hat ca. 40.000 Bewohner und funktioniert wie eine eigene kleine Stadt mit eigener Infrastruktur, Schulen und einem Lagerspital. Viele internationale Organisationen waren präsent und haben sich dann zurück­gezogen.

Die Container des UNHCR, zentral am Eingang des Camps gelegen, dienen jetzt JWL als Lernzentrum mit Klassenräumen. Der Platz reicht für ein kleines Büro und drei Klassenräume. Unterrichtet wird von 15 bis 20 Uhr in Schichten. Der Platz ist eng und die Nachfrage groß. Sehr gefragt sind Englischunterricht, Aus- und Fortbildung für Lehrkräfte und der Peace-Leader-Kurs.

Dieses Zertifikatsprogramm ist ein sechsmonatiger, praxisorientierter Bildungslehrgang. Ziel ist es, den Teilnehmenden jene Kompetenzen und Werte zu vermitteln, die für den Aufbau einer nachhaltigen Kultur des Friedens notwendig sind. Das Programm verbindet Theorie mit praktischer Anwendung.

Im Gespräch erzählt Mustafa, einer der Peace-Leader-Absolventen: „Dank der Englischkurse bin ich viel mutiger in meinem Arbeitsalltag, kann meine Meinung kommunizieren und auch in Alltagskonflikten ausgleichend und friedensstiftend sein. Eigentlich sollte jeder von uns ein Peace Leader sein.“

Katrin Morales

JWL: Gesundheit beginnt mit Wissen

Hochwertige Bildung in den Krisengebieten und Flüchtlingslagern der Welt ist seit 15 Jahren das Ziel des weltweiten Netzwerkes „Jesuit Worldwide Learning“: von einer Berufsausbildung bis zum Abschluss an einer renommierten Hochschule. Mit einem neuen Programm bringen JWL und medmissio Gesundheitswissen dorthin, wo medizinische Hilfe fehlt.

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