– Südsudan
Bildung als Rettungsanker in Zeiten der Krise
Im Südsudan kämpfen viele Kinder täglich um etwas, das selbstverständlich sein sollte: die Chance, zur Schule zu gehen. Gewalt, Vertreibung und fehlende finanzielle Mittel erschweren den Zugang zu Bildung. Im Bezirk Maban hält der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung eine Schule am Leben, die für Hunderte Kinder weit mehr ist als ein Ort des Lernens. Doch nach dem Wegfall wichtiger US-Fördermittel steht ihre Zukunft auf dem Spiel. Rachael Davis (JRS USA) berichtet von ihrem Besuch und von Menschen, die trotz aller Widrigkeiten nicht aufgeben.
Seit sechs Jahren arbeite ich im Team für internationale Programme des JRS USA in Washington, D.C., eng mit unseren Kolleginnen und Kollegen im Südsudan zusammen. Gemeinsam setzen wir ein Bildungsprogramm um, das lange Zeit vom US-Außenministerium über dessen Büro für Bevölkerung, Flüchtlinge und Migration finanziert wurde. Nachdem diese Förderung gestrichen wurde, sind wir auf die Unterstützung privater Spenderinnen und Spender angewiesen.
Im April 2026 reiste ich nach Maban im Bundesstaat Upper Nile im Südsudan, um eines unserer Bildungsprojekte zu besuchen. Es war bereits mein vierter Besuch in der Region. Doch diesmal war ich besonders angespannt. Ich wollte mit eigenen Augen sehen, wie sich die Lage seit dem Wegfall der US-Fördermittel verändert hatte und welche Folgen dies für die Kinder, Lehrkräfte und Familien vor Ort hat.
Eine Schule, die aus der Not entstanden ist
Die Huffra-Grundschule liegt unweit der Hauptstraße auf einem staubigen, offenen Gelände. Ein Zaun, der das Schulgelände schützt, fehlt. Die Klassenräume sind so unterschiedlich wie die Materialien, aus denen sie gebaut wurden: Vier Gebäude bestehen aus Ziegelmauern und Wellblechdächern. Andere sind einfache Konstruktionen aus Ästen und Holzstangen, die ein Dach aus Gras tragen. Manche Unterrichtsstunden finden einfach im Schatten großer Bäume statt.
Doch schon bei der Ankunft fällt etwas anderes ins Auge: Überall versammeln sich Kinder, die lernen wollen. Ihre Neugier und Begeisterung sind trotz der schwierigen Bedingungen unübersehbar.
Die Schule wurde 2015 von einer Gemeinschaft Binnenvertriebener gegründet. Die Familien waren vor der Gewalt in ihren Heimatregionen geflohen und hatten in Maban Zuflucht gesucht. Sie wollten ihren Kindern auch unter diesen schwierigen Umständen eine Zukunft ermöglichen.
Staatliche Unterstützung gab es zunächst nicht. Die Menschen nahmen den Aufbau der Schule selbst in die Hand, begleitet und unterstützt vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst.
2016 gründeten die Eltern und Lehrkräfte einen gemeinsamen Ausschuss, der bis heute eine tragende Rolle für den Schulbetrieb spielt. Er kümmert sich um die Instandhaltung der Klassenräume, mobilisiert die Dorfgemeinschaft und begleitet die Arbeit der Schulleitung und Lehrkräfte.
Doch das Engagement der Gemeinschaft allein reicht nicht aus, um die Schule dauerhaft zu betreiben. Da finanzielle Unterstützung durch die südsudanesische Regierung fehlt, ist die Hilfe des JRS für die Schule zu einem unverzichtbaren Rettungsanker geworden.
Immer mehr Kinder brauchen einen Schulplatz
Der Bedarf an Bildung wächst von Jahr zu Jahr. Während 2025 noch 386 Kinder die Huffra-Grundschule besuchten, sind es 2026 bereits 545 Schülerinnen und Schüler. Und es werden voraussichtlich noch mehr.
Mit den früheren Fördermitteln des US-Außenministeriums konnte der JRS unter anderem die Gehälter der Lehrkräfte finanzieren und Fortbildungen ermöglichen. Nach dem Wegfall dieser Mittel mussten wir dringend neue Wege finden, um den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten.
Dank privater Spenderinnen und Spender ist es gelungen, die Finanzierung von neun Lehrkräften und einem Sicherheitsmitarbeiter zu sichern. Doch diese Unterstützung kann den Umfang der früheren Förderung bei Weitem nicht ersetzen.
Lehrerinnen machen Mädchen Mut
Besonders wichtig ist, dass zwei der neun vom JRS unterstützten Lehrkräfte Frauen sind. Was zunächst nach einer kleinen Zahl klingt, hat im Südsudan eine enorme Bedeutung.
Die meisten Mädchen schließen dort die Sekundarschule nicht ab. Frauen, die eine höhere Schulbildung absolviert haben und selbst unterrichten können, sind deshalb selten. Die Folgen dieser Bildungsungleichheit sind gravierend: Nach den zuletzt verfügbaren Regierungszahlen liegt die Alphabetisierungsrate von Frauen und Mädchen im Südsudan bei lediglich 29 Prozent.
Deshalb setzt der JRS gezielt darauf, Lehrerinnen auszubilden, zu fördern und langfristig im Schuldienst zu halten. Sie vermitteln nicht nur Wissen, sondern sind auch wichtige Vorbilder. Sie zeigen ihren Schülerinnen, welche Möglichkeiten Bildung eröffnen kann und dass auch sie ihren eigenen Weg gehen können.
Unterricht ohne Toiletten und sichere Klassenräume
Trotz des großen Engagements bleibt die Liste der Herausforderungen lang. Es fehlen Klassenräume, Schulbänke und grundlegende sanitäre Einrichtungen. Derzeit gibt es auf dem gesamten Schulgelände keine funktionierenden Toiletten. Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte müssen deshalb auf die umliegenden bewaldeten Flächen ausweichen.
Auch die Sicherheit bereitet dem Schulleiter große Sorgen. Da das Schulgelände nicht eingezäunt ist, besteht die Gefahr, dass bewaffnete Banden oder oppositionelle Kampfgruppen auf das Gelände eindringen. Für eine Schule, die Kindern eigentlich einen geschützten Raum zum Lernen und Aufwachsen bieten soll, ist das eine besonders belastende Situation.

Die Hoffnung auf eine selbstbestimmte Zukunft
Und doch ist bei meinem Besuch eines deutlich geworden: Die Menschen vor Ort sind fest entschlossen, ihre Schule nicht aufzugeben.
Der Schulleiter, die Lehrerinnen und Lehrer und die Familien arbeiten gemeinsam daran, den Unterricht auch unter schwierigsten Bedingungen fortzusetzen. Sie wissen, wie viel für die Kinder auf dem Spiel steht. Denn Bildung bedeutet hier nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen. Sie schafft Perspektiven, stärkt das Selbstvertrauen und eröffnet Chancen auf ein Leben jenseits von Gewalt und Vertreibung.
Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst wird die Huffra-Grundschule weiterhin begleiten und unterstützen, solange dies notwendig ist. Langfristig soll die Schule auf eigenen Beinen stehen und vollständig von der lokalen Gemeinschaft getragen werden können.
Bis dahin bleibt unsere Unterstützung entscheidend. Damit die Kinder von Maban auch morgen noch einen Ort haben, an dem sie lernen, wachsen und von einer besseren Zukunft träumen können.
Rachael Davis, Projektreferentin beim JRS USA
Ihre Unterstützung für die Arbeit des JRS im Südsudan
Krise im Südsudan – Schenken Sie Hoffnung!
Hunderttausende Geflüchtete leben in den Lagern von Maban, Renk, Yambio – und täglich fliehen weitere Familien vor dem Krieg aus dem Nachbarland Sudan. Nahrung, Wasser und Bildungsangebote sind knapp. Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) unterstützt Geflüchtete und Aufnahmegemeinschaften


