Fotos: JRS MENA

 – Syrien

Mit dem Schnee kommt der Hunger

Wintereinbruch und Treibstoffkrise: Unzählige syrische Fami­lien sind dem eisigen Wetter schutzlos ausgeliefert. Arbeitslosigkeit, Hunger und Krankheiten halten Einzug, in Flüchtlingslagern sogar der Kältetod. Solange sie im Schnee-Chaos erreichbar sind, bieten an vier Standorten die Nachbarschaftszentren des Jesuiten-Flücht­lings­dienstes (JRS) Schutz und Wärme.

Am 20. Januar rief die Regierung wegen der sich verschlechternden Bedingungen und des rauen Wetters einen einwöchigen Notstand aus, die Temperatur sank in einigen Gebieten auf -3°C, dazu kam starker Schneefall. Die meisten syrischen Fami­lien leben in schlecht isolierten, aus Beton gebauten Häusern und dichten ihre Fenster provisorisch mit Plastiktüten ab. Außerdem gibt es aufgrund des Strommangels keine Möglichkeit, elektrisch zu heizen: „Die Fami­lien sind dem eisigen Wetter schutzlos ausgeliefert“, berichtet ein Mitarbeiter des Jesuiten-Flücht­lings­diensts Naher Osten (JRS MENA): „Sie können sich nur mit primitiven Methoden wie dem Verbrennen von Plastik und anderen Materialien in offenen Feuern warm halten.“

Die Wohnungen bleiben kalt

Am 11. November 2021 hatte die Regierung die Preise für subventionierte Brennstoffe, insbesondere für Benzin, das über Bezugsscheine ausgegeben wird, zum vierten Mal in Folge von 750 Syrischen Pfund (SYP) auf 1.100 SYP (0,38 Euro-Cent) pro Liter erhöht: eine Preiserhöhung von 47 %. Der subventionierte Preis für Heizöl liegt bei 500 SYP pro Liter, der nicht subventionierte bei 1.700 SYP pro Liter.

Eine durchschnittliche fünfköpfige Familie kann bis zu 20-25 Liter Heizöl pro Woche verbrauchen, was ca. 12.500 SYP (4,36 Euro) kostet. Das ist fast ein Sechstel des Gehalts von Staatsbediensteten (70.000 SYP). Binnen eines Jahres erhalten Fami­lien zwei Mal 50 Liter zum subventionierten Preis. „Es irrational anzunehmen, dass das eine Familie bei diesem rauen Wetter warm halten kann, ganz zu schweigen von den Fami­lien, die sich nicht für Rationskarten registrieren lassen können“, so die Einschätzung des JRS.

Gift in der Luft

Mit dem Winterbruch häufen sich die Krankheitsfälle: „Die Ärzte in unseren Gesundheitskliniken berichteten von einem Anstieg der Atemwegserkrankungen aufgrund der Kälte und dem Verheizen von Plastik und anderen giftigen Materialien. Die Straßen verschmutzen zusehens."

Besonders prekär ist die Lage in den Flüchtlingslagern, wo nach UN-Angaben Kinder aufgrund des eisigen Wetters und der unzureichend ausgestatteten Zelte gestorben sind.

Aufgrund der schwierigen Wetterbedingungen mussten viele Menschen, die Jobs haben, ihre Arbeit vorübergehend einstellen. Immer mehr leiden Hunger: „In Al-Kafroun wurde uns ein Vorfall zugetragen, bei dem ein kleines Mädchen auf der Straße gefunden wurde, das sich gegen eine streunende Katze wehrte, die ihm sein Essen wegnehmen wollte“, erzählt ein JRS-Mitarbeiter.

Ein sicherer geschützter Platz

Die Zentren des JRS verzeichneten in der letzten Januarwoche einen Rückgang der Besucherzahlen. Obwohl alle Zentren mit Heizung und Strom ausgestattet sind, haben es einige Kinder nicht geschafft, die Zentren zu Fuß zu erreichen. Das Zentrum in Al-Kafroun musste tageweise geschlossen werden, weil weder das Team noch die Kinder es aufgrund der dicken Schneeschicht dorthin schaffen konnten.,

An vier Standorten im Land – Jaramana, Kafroun, Al Sakhour und Homs – helfen Teams des Jesuiten-Flücht­lings­diensts (JRS)1.700 Kindern und Jugendlichen durch die allgemeine Perspektivlosigkeit, die den Alltag der jungen Syrer:innen bestimmt. Sechs Millionen Schüler:innen zwischen 5 und 17 Jahren haben keinen regelmäßigen Unterricht – in den JRS-Zentren werden die Kinder in Lerngruppen und durch Nachhilfeunterricht fit die Schule. Es gibt Freizeitangebote, psychologische Angebote, Sozialarbeit.

Und vor allem: einen sicheren, geschützten Platz.

Syrien: Nachbarschaftszentren geben Halt

Nach zehn Jahren Bürgerkrieg droht Syrien eine ganze Generation zu verlieren: Sechs Millionen Schüler:innen zwischen 5 und 17 Jahren haben keinen regelmäßigen Unterricht, zwei Millionen besuchen überhaupt keine Schule. Unzählige Kinder und Jugendliche, viele von ihnen Binnenvertriebene, sind schwer traumatisiert. Nachbarschaftszentren des Jesuiten-Flüchtlingsdienst geben ihnen Halt und Perspektive

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