– JRS Nigeria

„Kinder sollten Stifte halten, nicht Messer“

Simeon, Mitarbeiter des Jesuiten-Flücht­lings­dienstes (JRS) in Nigeria, ist Teil des Projekts „Enhancing Access to Safe and Quality Education for Vulnerable, Conflict-Affected Children in Borno“. Er erlebt hautnah, unter welchen extremen Bedingungen Kinder in Konfliktregionen aufwachsen und erzählt von einem erschreckenden Erlebnis, das ihm die Dringlichkeit seiner Arbeit vor Augen führte. Für ihn ist klar: Kindheit sollte nicht von Angst geprägt sein, sondern von Lernen, Spielen und Entfaltung.

Nigeria kämpft mit schweren wirtschaftlichen und sozialen Problemen. Die Kriminalitätsrate ist hoch, die allgemeine Sicherheitslage hat sich in den vergangenen Jahren laufend verschlechtert. Die durchschnittliche Lebenserwartung gehört zu den niedrigsten der Welt. Gleichzeitig verschärfen anhaltende Angriffe der islamistischen Miliz Boko Haram die Krise, während die Regierung nur unzureichend auf die Herausforderungen reagiert. 

Simeon berichtet: 

Ein Moment, der zum Nachdenken zwingt

An einem Morgen auf dem Weg zu einem der Lernzentren in Borno State erlebte ich etwas, das mir die Dringlichkeit unserer Arbeit vor Augen führte: Zwei Jungen, kaum zehn Jahre alt, gerieten in Streit. Plötzlich zog einer der Jungen ein Messer und bedrohte den anderen. In diesem Moment spürte ich die tiefe Kluft zwischen dem, was Kindheit sein sollte, und dem, was Kinder hier tagtäglich erleben.

Ich sprach ruhig mit dem Jungen, nahm ihm das Messer ab und erklärte die Gefahr seines Handelns. Er hörte zu, zeigte Reue und versprach, es nicht wieder zu tun. Doch wie sicher kann man sich sein, dass diese Kinder in einem Umfeld aufwachsen, in dem Gewalt fast normal geworden ist?

Gewalt als Teil des Alltags

In den von Konflikten betroffenen Regionen wie Borno ist Gewalt oft ein selbstverständlicher Teil des Lebens. Viele Fami­lien sind auf der Flucht, Schulen wurden zerstört oder geschlossen, Lehrkräfte mussten fliehen. Kinder wachsen in einer Umgebung auf, in der Überleben Vorrang vor Bildung hat. In dieser Realität lernen sie früh, dass Verteidigung und Vorsicht überlebenswichtig sind und nicht das Spiel, die Neugier oder das Lernen. Kinder, die Messer statt Stifte halten, verlieren den Zugang zu einer Kindheit, die geprägt sein sollte von Lernen, Kreativität und Hoffnung.

Bildung als Schlüssel zur Hoffnung

Unser Projekt schafft sichere Lernräume, in denen Kinder wieder schreiben, lesen und spielen können. Schule bedeutet hier weit mehr als Unterricht: Sie ist ein Schutzraum, ein Ort der Normalität und ein Hoffnungsanker.

Wir arbeiten eng mit Eltern, Gemeinden und lokalen Partnern zusammen, um zu zeigen, dass Bildung nicht nur ein persönliches Recht der Kinder ist, sondern auch die ganze Gemeinschaft stärkt. Denn jedes Mädchen und jeder Junge, der Zugang zu Bildung erhält, trägt zur Stabilisierung der Region und zum Aufbau einer gerechteren Zukunft bei.

Ein Stift in der Hand eines Kindes

Als ich an diesem Tag weiterging, dachte ich an den Jungen mit dem Messer. Ich stellte mir vor, wie es wäre, wenn er stattdessen einen Stift in der Hand hielt, einen Stift, mit dem er seine Gedanken festhält, seine Träume aufschreibt und seine Zukunft gestaltet.

Ein Stift bedeutet Möglichkeiten, Kreativität und Selbstvertrauen. Bildung vermittelt nicht nur Wissen, sondern auch Hoffnung. In einem von Konflikten geprägten Umfeld ist dies das wertvollste Geschenk, das wir Kindern machen können.

JRS Nigeria hilft

Nach der Eröffnung seines ersten Landesbüros in Abuja im Jahr 2018 ist der JRS heute in den Bundesstaaten Borno, Adamawa, Zamfara und Taraba aktiv an der Seite Vertriebener und lokaler Gemeinschaften. Er bietet Zugang zu hochwertiger Bildung, Gesund­heits­ver­sorgung sowie sozioökonomischen und psychosozialen Hilfsangeboten. Die Unter­stützung der Bevölkerung trägt nicht nur zur Verbesserung ihrer Lebensqualität bei, sondern stärkt ganze Gemeinschaften und fördert Stabilität und Gerechtig­keit.

JRS Nigeria: Leben verändern

Frauen und Mädchen in Nigeria sind die großen Leidtragenden der Konflikte in ihrem Heimatland. Der Kampf ums Überleben und den Zugang zu grundlegenden Ressourcen bestimmt ihren Alltag. Programme des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes (JRS) unterstützen sie gezielt und nachhaltig.

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