Ägypten: Mission Würde

Hinsehen, begleiten, aufbauen: In Mittelägypten fördert eine jesuitische Initiative Menschen mit Behinderung – und stärkt ganze Gemeinschaften

Projekt X31254 Ägypten

Ort:
Minia, Mittelägypten

Partner:
Jesuit and Brothers Association for Development (JBA); Direktor Osama Isaac

Zielgruppe:

Mehr als 3.500 Menschen mit Behinderung konnte die Jesuit and Brothers Association for Development in den letzten zwei Jahren erreichen. Über 1.500 Kinder wurden medizinisch untersucht, 500 erhalten regelmäßige Förderung. 62 Häuser wurden renoviert, 75 Kleinkredite vergeben.

So hilft Ihre Spende:

  • 50 Euro finanzieren die jährlichen Schulmaterialien von zehn Kindern
  • 250 Euro ermöglichen die zweijährige Berufsausbildung eines jungen Erwachsenen
  • 500 Euro kostet die behindertengerechte Sanierung eines Wohnhauses
  • 1.000 Euro fördern über zwei Jahre 40 Kinder mit geistigen Behinderungen

Leben am Rand

In Ägypten reißen Wirtschaftskrise und gesellschaftliche Spannungen tiefe Spuren in den Alltag. Für Menschen mit Behinderung wird jeder Tag zum Kampf ums Überleben – besonders in abgelegenen, ländlichen Regionen wie Minia. Die Jesuit and Brothers Association for Development (JBA) hilft ihnen, einen Platz im Leben zu gewinnen.

Etwa zwölf Millionen Ägypterinnen und Ägypter leben mit einer Behinderung. „Doch nur ein Prozent von ihnen erfährt staatliche Unter­stützung“, berichtet JBA-Direktor Osama Isaac. Die meisten wohnen auf dem Land, in Dörfern ohne barrierefreie Infrastruktur, ohne verlässliche medizinische Versorgung. Viele Kinder besuchen keine Schule, weil Transport, Rollstühle oder geeignete Lehrkräfte fehlen.

Im Gouvernement Minia, 250 Kilometer südlich von Kairo, ist die Not besonders groß. Hier leben rund sieben Millionen Menschen, viele von ihnen in ärmlichen Lehmhäusern ohne Strom oder Wasser. Die wirtschaftliche Krise Ägyptens trifft diese Region mit voller Härte: Der Wert des ägyptischen Pfunds hat sich in wenigen Jahren halbiert, die Preise für Lebensmittel und Medikamente sind explodiert. In dieser Umgebung arbeitet die Jesuit and Brothers Association.

„Ich wollte nur dazugehören“

Abdulrahman lebt in einem kleinen Dorf außerhalb von Minia. Als Kind erkrankte er an Polio, konnte nicht laufen und blieb zu Hause. „Ich konnte nicht zur Schule gehen und nicht spielen“, erinnert er sich. Seine Familie war verzweifelt – und ratlos. Dann kam eines der Teams der Jesuiten in sein Dorf.

Die Mitarbeitenden sprachen mit seinem Vater, erklärten, dass Behinderung kein Schicksal ist, sondern eine Herausforderung, der man begegnen kann. Sie organisierten eine Untersuchung, halfen bei der Versorgung und ermöglichten eine Ausbildung im Schneidern.

Abdulrahman lernte lesen und schreiben, erhielt eine Nähmaschine – und mit ihr den Beginn eines neuen Lebens. Heute betreibt er eine kleine Werkstatt, näht Kleidung für Nachbarn, versorgt seine Familie. „Ich arbeite hart, um in Würde zu leben und für meine Kinder zu sorgen.“ Seine Geschichte steht für Tausende andere, die durch die Arbeit der Jesuiten neuen Halt finden.

Hilfe, die Dörfer verändert

Zwischen Juni 2023 und Mai 2025 erreichte die JBA über 3.500 Menschen mit Behinderung in Minia und den umliegenden Dörfern. Die Mitarbeitenden besuchen Fami­lien, erfassen neue Fälle, organisieren medizinische Untersuchungen und begleiten sie langfristig. Die Organisation verteilt Rollstühle, Prothesen, Hörgeräte und Medikamente. Zehn mobile Ärzteteams fahren regelmäßig in abgelegene Gebiete, untersuchen Kinder und Erwachsene und leisten Nachsorge. In den letzten beiden Jahren wurden über 1.500 Kinder medizinisch untersucht, 50 neue Fälle erkannt und dauerhaft in Betreuung genommen.

Viele Fami­lien leben in Häusern, die kaum bewohnbar sind – feuchte Böden, defekte Dächer, fehlendes Wasser. 62 Wohnungen wurden instandgesetzt und an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung angepasst. In manchen Fällen reichte ein befestigter Weg oder eine Rampe, um Mobilität zu schaffen. Jugendliche aus den Dörfern halfen freiwillig beim Umbau.

Bildung als Fundament

Bildung ist einer der Grundpfeiler der Arbeit. Kinder mit Behinderung werden an Schulen vermittelt, die JBA unterstützt sie mit Schulmaterial, Kleidung und Zuschüssen für Transport oder Medikamente. Lehrkräfte werden fortgebildet, um besser auf individuelle Bedürfnisse eingehen zu können. Auch Erwachsene profitieren. Alphabetisierungskurse eröffnen neue Perspektiven: Viele Frauen lernen dort erstmals ihren Namen zu schreiben. Wer eine Ausbildung absolviert, kann über Kleinkredite ein eigenes Einkommen aufbauen – mit einer Nähmaschine, einer kleinen Werkstatt oder Hühnerhaltung.

In den vergangenen zwei Jahren wurden 90 Menschen beruflich geschult und 75 Kleinkredite vergeben. Für Kinder mit geistiger Behinderung hat die JBA spezielle Förderprogramme entwickelt. In den letzten beiden Jahren wurden 500 Kinder regelmäßig betreut – durch Übungen, Spiele und Lernprogramme, die Sprache, Motorik und Selbstständigkeit fördern. Dafür bildete die JBA 25 Freiwillige aus den Dörfern aus, die mit den Fami­lien zusammenarbeiten.

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