Indien: Die Vergessenen ins Leben holen

Kasten- und Geschlechterdiskriminierung verfestigen in vielen Teilen Indiens Ungleichheiten, die sich seit Generationen kein Ende zu finden scheinen. Die von einem Jesuiten gegründete Village Reconstruction Organisation (VRO) unterstützt Dorfgemeinschaften mittlerweile nicht mehr nur bei Wieder­auf­bauprojekten, sondern fördert gezielt die Bildung von Frauen aus marginalisierten Gemeinschaften.

Projekt Indien VRO

Ort:
Tamil Nadu und Telangana, Indien

Partner:
P. Velangani Raju SJ, Operational Director der Village Reconstruction Organisation (VRO)

Zielgruppe:

Marginalisierte Frauen und Mädchen in ländlichen Regionen Tamil Nadus und Telanganas, vor allem Dalits („Kastenlosen“) und Angehörige indigener Scheduled Tribes, sind betroffen von Armut, Analphabetismus, Frühehen und Ausgrenzung.

So hilft Ihre Spende:

  • Die Village Reconstruction Organisation (VRO) wurde 1969 vom belgischen Jesuiten P. Michael Windey gegründet. Was mit dem Wieder­auf­bau zerstörter Dörfer begann, wurde zum Motor der Selbstermächtigung
  • 2024/25 erhielten fast 500 Frauen eine Berufsausbildung; derzeit läuft eine zweite Ausbildungsrunde
  • Daneben stärkt die VRO Dorfgemeinschaften mit Selbsthilfe- und Frauenrechtsgruppen und fördert die Schulbildung von rund 400 Kindern.
  • Das Projektvolumen umfasst 30.000 Euro für zwei Jahre.

Die soziale Kluft wird tiefer

In Indien leben rund 230 Millionen Menschen – jeder Sechste – in Armut, während das reichste 1 Prozent der Bevölkerung über mehr als 40 Prozent des gesamten Vermögens verfügt – und die soziale Kluft wächst weiter.  Diese extreme soziale Ungleichheit trifft vor allem Kastenlose, Frauen und ländliche Gemeinschaften besonders hart.

Ungleiche Bildungschancen

Auch im Bildungswesen zeigen sich tiefe Ungleichheiten. Im Jahr 2023 lag die Alphabetisierungsrate bei Männern (ab 15 Jahren) bei fast 90 Prozent, bei Frauen hingegen nur bei rund 70 Prozent. Damit können rund 140 Millionen Frauen weder lesen noch schreiben, ein Defizit, das ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe massiv einschränkt.

Durch das traditionelle Kastensystem wird die soziale Ungleichheit weiter verschärft, besonders betroffen sind sogenannte „Scheduled Castes“, zu denen auch die als „Unberührbare“ (Dalits) bezeichneten Gruppen gehören. Auch indigenen Bevölkerungsgruppen („Scheduled Tribes“) erfahren gesellschaftliche Ausgrenzung.Trotz gesetzlicher Gleichstellung leiden viele Angehörige dieser Gemeinschaften unter Diskriminierung, eingeschränktem Bildungszugang und fehlenden beruflichen Chancen.

Vom Wieder­auf­bau zur Selbsthilfe

Der meisten Fami­lien im Dorf Inungur im Bundesstaat Tamil Nadu sind sogenannte „Kastenlose“ und leben von landwirtschaftlichen Gelegenheitsjobs. Außerhalb der Saison zieht es viele in die Städte. Kinder müssen häufig mitarbeiten oder werden früh verheiratet, um die Fami­lien finanziell zu entlasten – vor allem für Mädchen seit Langem grausame Realität.

Die Village Reconstruction Organisation (VRO) wurde 1969 vom belgischen Jesuiten P. Michael Windey gegründet. Was mit dem Wieder­auf­bau zerstörter Dörfer begann, entwickelte sich zum Motor der Selbstermächtigung. Jesuitenweltweit ist bereits seit längerem mit der Arbeit der VRO verbunden und unterstützt seit 2024 die Projekte in Tamil Nadu und Telangana. 

Das Ziel bis 2026 ist, Frauen zu stärken und Mädchen Vorbilder zu geben.

Gemeinsam in eine neue Zukunft

Die ersten Erfolge sind in Inungur, Tamil Nadu, sichtbar: 95 Frauen wurden 2024 zu Schneiderinnen ausgebildet, und es sollen noch mehr werden. „Das Angebot ist ganz bewusst gewählt, da die Region voller Textilfabriken ist“, erklärt der Projektverantwortliche P. Velangani Raju SJ. „80 Prozent fanden gleich Anstellungen in den Fabriken, andere sind jetzt selbstständig.“

Eine davon ist Indumathi. Sie erzählt: „Ich zähle zu den Scheduled Castes und hatte es nie leicht. Meine Mutter starb bei der Geburt ihres zweiten Kindes. Danach heiratete mein Vater erneut und vernachlässigte mich so sehr, dass ich von meiner Großmutter in Inungur großgezogen werden musste.

Alles änderte sich, nachdem ich am VRO-Programm teilnahm und eine eigene Nähmaschine bekam. Ich begann sofort mit der Arbeit als Schneiderin und erhalte regelmäßig Aufträge.“

In Telangana zeigt sich ein ähnliches Bild. Hier liegt das Dorf Devathapally, wo überwiegend die Lambada wohnen, einer der größten Scheduled Tribes im Bundesstaat. Zwar gibt es staatliche Schulen, für Mädchen und junge Frauen gilt Bildung aber auch hier als Zeitverschwendung oder gar Hindernis auf dem Heiratsmarkt.

Laxmamma verlor wie viele im Dorf schon als Kind ihre Chance auf Bildung. Mit 12 Jahren wurde sie mit einem 25-jährigen Mann verheiratet und musste sich fortan um den Haushalt kümmern. Er starb an den Folgen von Alkoholmissbrauch. Ihre vier gemeinsamen Kinder musste sie mit prekären Beschäftigungen durchbringen. So ging sie täglich von Haus zu Haus und verkaufte, was sie finden konnte.     

In einem der VRO-Nähzentren lernte sie Schneidern und schuf damit zum ersten Mal in ihrem Leben eine stabile Ein­kommens­quelle, mit der sie sich ihren großen Traum erfüllen will: ein richtiges Haus mit Wänden und einem Badezimmer.

„In Devarapally bieten wir einen Kurs für die Herstellung von Schuluniformen an“, berichtet P. Velangani Raju SJ. Im vergangenen Jahr nahmen 300 Frauen teil. Im Herbst 2025 schlossen weitere 50 Frauen den Kurs ab, und seit November 2025 läuft die nächste Ausbildungsrunde.

Mit 30.000 Euro will die VRO bis 2026 unter anderem die Unter­stützung für Frauen aufrechterhalten und zusätzlich ein Kinderprogramm auflegen, um Schulabbrüche zu verhindern.

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