– JRS Südsudan

Sudan-Krise: Leben im Dazwischen

Drei Jahre nach der Eskalation des Krieges im Sudan sind weiter unzählige Fami­lien auf der Flucht. Viele suchen Schutz im benachbarten Südsudan, wo die humanitäre Lage äußerst angespannt ist. Die Arbeit des Jesuiten-Flücht­lings­dienstes (JRS) macht für Tausende von ihnen einen Unterschied.

Im Südsudan leben derzeit rund 615.000 Flüchtlinge und Asylsuchende. Eine große Mehrheit von ihnen stammt aus dem benachbarten Sudan. Nicht mitgezählt sind dabei Binnenvertriebene im Land und Rückgekehrte.

Doch die anhaltende Ankunft von Menschen, die dem Konflikt entkommen, setzt die ohnehin stark unterfinanzierte humanitäre Hilfe im Südsudan zusätzlich unter Druck. Der Schutz besonders verletzlicher Gruppen wird immer schwieriger: Fälle geschlechtsspezifischer Gewalt nehmen zu, ebenso die Risiken für Kinder. Gleichzeitig verschärfen psychische Belastungen sowie der mangelnde Zugang zu sauberem Wasser, Gesund­heits­ver­sorgung und Bildung die Notlage vieler Fami­lien.

In dieser Situation bleibt der Jesuiten-Flücht­lings­dienst (JRS) an der Seite von Geflüchteten und Rückkehrenden. In den vergangenen Jahren fanden fast 7.500 von ihnen durch die JRS-Programme neuen Halt.

Kontrolle über das eigene Leben

Im Transitzentrum von Renk leisten der JRS und seine Partner wichtige Unter­stützung für Menschen, die unter den Folgen von langanhaltendem Konflikt, Vertreibung und den Auswirkungen der Sudan-Krise leiden. Der gemeindebasierte Ansatz hilft besonders jenen, die erschöpft und traumatisiert ankommen.

Zu ihnen gehört Nadir, 35 Jahre alt. Nach einer langen und gefährlichen Flucht erreichte er Renk. Gewalt und Vertreibung hatten sein Leben von einem Tag auf den anderen zerstört und seine psychische Gesundheit schwer belastet. Er litt unter starken Depressionen und fühlte sich völlig überwältigt. Während einer Informationsveranstaltung in der Gemeinde erfuhr er von den Unter­stützungsangeboten des JRS und fand den Mut, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

„Ich möchte alle ermutigen, die Ähnliches durchmachen, nicht still zu leiden“, sagt er.

Nadir wurde in ein strukturiertes psychosoziales Unter­stützungsprogramm aufgenommen. Schritt für Schritt gewann er wieder Kontrolle über sein Leben. Sein Schlaf verbesserte sich, seine Wut ließ nach, und auch die Schwere seiner Depression nahm ab. Heute sagt er, dass er sich psychisch stabil, körperlich gesund und wieder hoffnungsvoll fühle.

Lehrkräfte stärken, Gemeinschaften stärken

Indem der JRS Lehrkräfte unterstützt, weiterhin mit Schülerinnen und Schülern zu arbeiten und qualitativ guten Unterricht anzubieten, trägt die Organisation dazu bei, das Bildungssystem in Renk zu stärken. Zugleich unterstützt sie die langfristige Erholung und Widerstandskraft von Kindern und Jugendlichen.

Gerade in einem Kontext von Krise und Vertreibung ist der Zugang zu sicheren und inklusiven Lernangeboten von großer Bedeutung. Schule gibt Kindern ein Stück Normalität zurück und schützt sie vor Ausbeutung, Kinderarbeit und Frühverheiratung.

Einer der unterstützten Lehrer ist Bonis Alibino. Vor dem Konflikt unterrichtete er im Sudan, musste jedoch wegen der Gewalt in den Südsudan zurück­kehren. Da er es gewohnt war, auf Arabisch zu unterrichten, stand er in Renk vor der Herausforderung, in einer anderen Sprache lehren zu müssen.

Er nahm an einem vom JRS angebotenen Englischkurs teil und besucht seit 2023 mit großer Ausdauer den Unterricht. Nach und nach gewann er an Sicherheit und kehrte schließlich ins Klassen­zimmer zurück. Heute arbeitet er wieder als Lehrer an mehreren Schulen in der Region.

Rehabilitation verändert Leben

Neben Bildungs- und psychosozialen Angeboten stellt der JRS auch physiotherapeutische Unter­stützung, Hilfsmittel und die Vermittlung an spezialisierte Dienste für Menschen mit Behinderungen bereit. So erhalten Betroffene die Chance, Beweglichkeit und Selbstständigkeit zurück­zugewinnen. Für Kinder ist das besonders wichtig, weil ihre Entwicklung auf dem Spiel steht.

So auch bei der siebenjährigen Hadija. Bei ihr trat eine sogenannte postinjektionsbedingte Lähmung auf. Was mit einer routinemäßigen medizinischen Injektion begann, führte tragischerweise zu einer lebensverändernden Beeinträchtigung: Sie konnte das betroffene Bein beziehungsweise die betroffene Gliedmaße nicht mehr richtig nutzen.

Hadija hatte erhebliche Schwierig­keiten bei Bewegungen, litt unter Muskelschwäche und war in ihrer Alltagsfähigkeit stark eingeschränkt. Selbst für grundlegende Tätigkeiten war sie auf die Hilfe ihrer Mutter angewiesen. Ihr Selbstvertrauen schwand, weil sie nicht mehr frei spielen konnte wie andere Kinder in ihrem Alter.

Daraufhin wurde sie in ein strukturiertes physiotherapeutisches Programm aufgenommen. Mit jeder einzelnen Sitzung gewann Hadija an Kraft, Stabilität und Selbstvertrauen zurück. Nach und nach konnte sie wieder Aktivitäten aufnehmen, die sie zuvor hatte aufgeben müssen.

An der Seite der Vertriebenen

Während Konflikte und Instabilität im Sudan andauern, bleiben die Teams des JRS entschlossen, vertriebene Menschen auf ihrem Weg in die Sicherheit zu begleiten. Im Südsudan unterstützen sie Geflüchtete dabei, ihr Leben neu aufzubauen und ihre Würde und Hoffnung zurück­zugewinnen.

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