– Jesuit Volunteers

„Sie nennen mich Kilian Dada. Das heißt Bruder.“

Kilian ist einer von 13 Freiwilligen, die ein Jahr in einem unserer Partnerprojekte verbringen. In Pune, Indien, arbeitet er mit Menschen in schwierigen Lebenslagen. In seinem fünften Blog-Beitrag nimmt er uns in seinen Alltag mit. Zwischen gemeinschaftlichen Mahlzeiten, Gartenarbeit, Essensausgabe und Spielen mit den Kindern zeigt der Beitrag einen authentischen Einblick in Begegnungen, Herausforderungen und kleinen Freuden des Freiwilligendienstes, ganz nah am Leben vor Ort. 

Das Essen ist deutlich schärfer als in Deutschland. Am Anfang eine Herausforderung, mittlerweile esse ich immer schärfer, die Zunge hat sich angepasst. Einmal hatte ich eine Lebensmittelvergiftung, ansonsten läuft der Magen erstaunlich stabil. Dazu frisches Obst, je nach Saison: Bananen, Mangos, Erdbeeren, Papaya, Drachenfrucht, Orangen, Feigen, Granatäpfel, Wassermelonen, Passionsfrucht. 

Doch dann ein Rascheln in der Ecke. Eine dunkle Gestalt huscht über den Boden. Der Schwanz einer Ratte, deutlich sichtbar. Sie verschwindet unter einem Tisch. Ich schaue auf. Die anderen reden, lachen. Ich esse weiter. Ein weiteres Rascheln. Die Ratte ist einfach Teil des Abendessens. Wie bei uns eine Fliege. Auf den Straßen wühlen wilde Schweine, Hunde, Ziegen und Kühe im Müll. Niemand kümmert sich darum. Ratten im Essensraum interessieren die Inder genauso wenig.

Nachmittags wird es leichter. Die Kinder – acht bis zwölf Jahre alt – schauen mich mit leuchtenden Augen an, wenn ich „Ninja!” rufe. Sie verstehen das Spiel, das ich ihnen beigebracht habe, sofort, rennen los, lachen, selbst die Schüchternen machen mit. Oder die kleinen Kinder, die mich mit großen Augen anschauen, meine Hand nehmen, mit mir über den Campus spazieren wollen. Die Sprache spielt dann keine Rolle. Wir spielen Fangen, werfen Bälle, laufen einfach nur herum. In ihren Gesichtern sehe ich echte Freude. Keine Worte nötig. Mit den ganz kleinen Kindern komme ich am einfachsten zurecht. Sie nennen mich „Kilian Dada” – das heißt Bruder – oder einfach „Brother”. Bei ihnen muss ich nicht erklären, nicht übersetzen, nicht raten, was sie brauchen. Sie wollen nur hochgehoben werden, wollen schaukeln, wollen auf den Spielgeräten herumklettern. Das ist der Teil meiner Arbeit, den ich am meisten liebe. Später helfe ich bei den Hausaufgaben. Ich kann nur in Mathe, Englisch und Science helfen – alles andere ist auf Marathi. Mathe ist auch hier ein schwieriges Fach, manche Dinge überschreiten Kulturen.

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