– Nothilfe

Venezuela: Steiniger Weg zum Neuanfang

Wochen nach den beiden schweren Erdbeben kämpft Venezuela weiterhin mit den verheerenden Folgen der Katastrophe. Die venezolanische Jesuitenprovinz engagiert sich, gemeinsam mit internationalen Jesuitenwerken und jesuitischen Partnerorganisationen vor Ort, für die humanitäre Unter­stützung der betroffenen Bevölkerung sowie den beginnenden Wieder­auf­bau.

Jesuitisches Netzwerk koordiniert die Nothilfe

Venezuela wurde Ende Juni von zwei schweren Erdbeben erschüttert. Sie zählen zu den stärksten, die das Land seit mehr als einem Jahrhundert erlebt hat. Mindestens 5.200 Menschen kamen ums Leben und rund 16.000 Menschen wurden verletzt. Besonders schwer betroffen sind der Küstenstaat La Guaira sowie Teile der Hauptstadt Caracas. 

Um die Versorgung der Menschen sicherzustellen, hat die venezolanische Jesuitenprovinz gemeinsam mit ihren Partnern zwei zentrale Hilfs- und Sammelstellen eingerichtet – an der jesuitischen Universität Católica Andrés Bello (UCAB) sowie am Jesuitenkolleg San Ignacio in Caracas. Trotz sichtbarer Schäden können die Gebäude weiter genutzt werden. Dort werden bis heute Spenden angenommen, sortiert und an die am stärksten betroffenen Regionen weitergeleitet. Versorgt werden neben Fami­lien auch Gesundheitszentren, Notunterkünfte und weitere Hilfsstellen. 

Die Hilfsmaßnahmen werden kontinuierlich ausgeweitet. Um die Hilfe noch effizienter zu koordinieren, entwickelten Freiwillige des Sammelzentrums sogar eine eigene digitale Plattform. Betroffene können über die Plattform ihren Hilfsbedarf melden, während Spenderinnen und Spender gezielt Unter­stützung leisten können. Gleichzeitig werden Lagerbestände in Echtzeit verwaltet und Hilfslieferungen automatisch koordiniert. Dank einer Zusammenarbeit mit einem lokalen Lieferdienst gelangen Hilfsgüter zudem schnell und nachvollziehbar zu den Menschen, die sie am dringendsten benötigen.

jesuitenweltweit Österreich in Caracas und La Guaira

Im Juli besuchte, Mag. Katrin Morales, die Ge­schäfts­führerin von jesuitenweltweit Österreich, das zentrale Hilfs- und Sammelzentrum am Colegio San Ignacio in Caracas.

Sie sagt: „Dort wird deutlich, mit wie viel Solidarität und Einsatzbereitschaft die Jesuiten und zahlreiche Freiwillige den Menschen in dieser schwierigen Situation zur Seite stehen. Rund 160 Freiwillige sortieren, verpacken und versenden dort täglich Lebensmittel, Hygieneartikel, Medikamente und viele weitere dringend benötigte Hilfsgüter.“ 

Am nächsten Tag führte sie ihr Weg nach La Guaira, einer der am schwersten von den Erdbeben betroffenen Regionen Venezuelas. „Die Situation ist unvorstellbar“, berichtet sie. Vor den eingestürzten Häusern warten Fami­lien darauf, dass ihre verstorbenen Angehörigen geborgen werden. “Doch vielerorts fehlt es an technischer Ausrüstung für die Bergungsarbeiten. Manche Angehörige suchen deshalb selbst in den Trümmern nach ihren Vermissten. Zahlreiche Fami­lien leben weiterhin in Zelten. Besonders erschütternd ist die Situation an einer Schule der jesuitischen Partner in der Region: Dort kamen 25 Kinder ums Leben, viele weitere Schülerinnen und Schüler werden noch vermisst", so die Ge­schäfts­führerin von jesuitenweltweit Österreich. 

Humanitäre Hilfe bleibt dringend notwendig

Während die Such- und Rettungsarbeiten langsam ein Ende nehmen, wächst zugleich der Bedarf an humanitärer Hilfe. Mit Spenden werden dringend benötigte Hilfsgüter finanziert und beschafft. Dazu gehören insbesondere Trinkwasser, Medikamente, haltbare Lebensmittel, Hygieneartikel und Babybedarf. Ebenso werden Zelte, Planen, Matratzen, Isomatten, Decken, Handtücher, Taschenlampen, Campingkocher, Campingstühle und Sonnenschutzmittel benötigt, um Notunterkünfte auszustatten und die Versorgung der betroffenen Fami­lien sicherzustellen.

Gemeinsam Wege zurück ins Leben schaffen

Mit jedem Tag werden die langfristigen Folgen der beiden Erdbeben in Venezuela deutlicher: Rund 58.000 Gebäude, darunter Krankenhäuser und Wohnhäuser, wurden zerstört oder schwer beschädigt. Fast 18.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren. Auch das Bildungssystem ist stark betroffen. 25 Schulen von Fe y Alegría müssen vor dem Schulbeginn im Herbst saniert oder wiederaufgebaut werden. 17.000 Schülerinnen und Schüler sind auf eine rasche Instandsetzung ihrer Schulen angewiesen. 

Für einen nachhaltigen Wieder­auf­bau hat die Jesuitenprovinz Venezuela gemeinsam mit ihren Einrichtungen und Partnerorganisationen einen langfristigen Aktionsplan entwickelt. Er verbindet Nothilfe, Wieder­auf­bau und die Stärkung der betroffenen Gemeinden. Alle bringen ihre jeweiligen besonderen Fähigkeiten ein: Fe y Alegría im Bildungsbereich, der Jesuiten-Flücht­lings­dienst mit Nothilfepaketen und Rechtsberatung, die Pfarren durch die Begleitung vor Ort sowie die Jesuitenuniversität mit psychosozialer Unter­stützung.

Jetzt helfen

Als Hilfswerk der Jesuiten bittet jesuitenweltweit weiterhin um dringend benötigte Spenden. Gemeinsam unterstützen wir die Versorgung der betroffenen Bevölkerung und den beginnenden Wieder­auf­bau.  

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