– Nothilfe

Erdbeben in Venezuela: Spenden weiterhin dringend benötigt

Fast drei Wochen nach den beiden schweren Erdbeben kämpft Venezuela weiterhin mit den verheerenden Folgen der Katastrophe. Mindestens 4.490 Menschen kamen ums Leben. Rund 16.740 Menschen sind verletzt. Die venezolanische Jesuitenprovinz engagiert sich gemeinsam mit internationalen Jesuitenwerken und jesuitischen Partnerorganisationen vor Ort weiterhin für die humanitäre Unter­stützung der betroffenen Bevölkerung.

Rund 17.907 Menschen haben ihr Zuhause verloren. Nach offiziellen Angaben konnten 6.461 Menschen lebend aus den Trümmern gerettet werden. Besonders schwer betroffen sind der Küstenstaat La Guaira sowie Teile der Hauptstadt Caracas, wo zahlreiche Straßen, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude völlig zerstört oder schwer beschädigt wurden.

Eigene Einrichtungen und Mitarbeitende schwer betroffen

Die Erdbeben haben auch zahlreiche Einrichtungen der Jesuiten getroffen: Mehrere Schulen und Universitätsgebäude weisen erhebliche Schäden an ihrer Bausubstanz auf. Fünf Einrichtungen sind ohne Wasserversorgung, zwei ohne Strom und in vielen Zentren ist die Internetverbindung ausgefallen. 53 Mitarbeitende haben Schäden an ihren Häusern erlitten, zehn Fami­lien können ihre Wohnungen derzeit nicht mehr bewohnen und drei Mitarbeitende gelten weiterhin als vermisst. Gleichzeitig haben jesuitische Einrichtungen bereits 26 Menschen sowie vier Fami­lien aufgenommen, die ihre Häuser verloren haben oder nicht mehr in ihre Wohnungen zurück­kehren können.

Besonders erschütternd ist die Situation an der Jesuitenschule Jesús Obrero in Caracas. Zwei Lehrkräfte, vier Schülerinnen und Schüler sowie sieben Angehörige der Schulgemeinschaft kamen ums Leben. Zwei Lehrkräfte und drei Schülerinnen und Schüler werden weiterhin vermisst. Vier Lehrkräfte haben durch den Einsturz ihrer Wohnhäuser ihr Zuhause vollständig verloren. Auch die Schulgebäude wurden schwer beschädigt und können derzeit nicht sicher genutzt werden.

Jesuitisches Netzwerk koordiniert die Nothilfe

Um die Versorgung der Menschen in den besonders schwer betroffenen Regionen sicherzustellen, hat die venezolanische Jesuitenprovinz gemeinsam mit ihren Partnern zwei zentrale Hilfs- und Sammelstellen eingerichtet, an der jesuitischen Universidad Católica Andrés Bello (UCAB) sowie am Jesuitenkolleg Colegio San Ignacio in Caracas. Trotz sichtbarer Schäden können die Gebäude weiter genutzt werden. Dort werden Spenden angenommen, sortiert und an die am stärksten betroffenen Regionen weitergeleitet. Versorgt werden neben Fami­lien auch Gesundheitszentren, Notunterkünfte und weitere Hilfsstellen.

Die Hilfsmaßnahmen werden kontinuierlich ausgeweitet. Um die Hilfe noch effizienter zu koordinieren, entwickelten Freiwillige des Sammelzentrums zudem eine digitale Plattform. Betroffene können dort ihren Hilfsbedarf melden, während Spenderinnen und Spender gezielt Unter­stützung leisten können. Gleichzeitig werden Lagerbestände in Echtzeit verwaltet und Hilfslieferungen automatisch koordiniert. Dank einer Zusammenarbeit mit einem lokalen Lieferdienst gelangen Hilfsgüter zudem schnell und nachvollziehbar zu den Menschen, die sie am dringendsten benötigen.

Auch lokale Partnerorganisationen wie der Jesuit Refugee Service (JRS) begleiten weiterhin Binnenvertriebene und Menschen in Notunterkünften. Gemeinsam mit Caritas Venezuela und dem Netzwerk des Sozialapostolats koordiniert der JRS die Verteilung von Hilfsgütern und leistet psychosoziale Unter­stützung für besonders schutzbedürftige Menschen. Parallel dazu transportierte die UCAB gemeinsam mit Caritas zwischen dem 26. Juni und 3. Juli mehrere Tonnen Kleidung, Lebensmittel, Trinkwasser und Hygieneartikel in die besonders schwer betroffenen Gemeinden von La Guaira. 

Darüber hinaus sind rund 80 Mitglieder der UCAB-Notfallbrigade in Caracas im Einsatz. Sie informieren die Bevölkerung über Erste Hilfe, Evakuierungsmaßnahmen und den sicheren Umgang mit den Folgen der Erdbeben. Das Bildungsnetzwerk Fe y Alegría hat seine Hilfsmaßnahmen ebenso weiter ausgebaut. Die Schule in Caraballeda dient derzeit als Notunterkunft für Betroffene.

jesuitenweltweit Österreich in Caracas und La Guaira

Vergangenen Dienstag besuchte, Mag. Katrin Morales, die Ge­schäfts­führerin von jesuitenweltweit Österreich, das zentrale Hilfs- und Sammelzentrum am Colegio San Ignacio in Caracas.

Sie sagt: „Dort wird deutlich, mit wie viel Solidarität und Einsatzbereitschaft die Jesuiten und zahlreiche Freiwillige den Menschen in dieser schwierigen Situation zur Seite stehen. Rund 160 Freiwillige sortieren, verpacken und versenden dort täglich Lebensmittel, Hygieneartikel, Medikamente und viele weitere dringend benötigte Hilfsgüter.“ 

Am nächsten Tag führte sie ihr Weg nach La Guaira, einer der am schwersten von den Erdbeben betroffenen Regionen Venezuelas. „Die Situation ist unvorstellbar“, berichtet sie. Vor den eingestürzten Häusern warten Fami­lien darauf, dass ihre verstorbenen Angehörigen geborgen werden. “Doch vielerorts fehlt es an technischer Ausrüstung für die Bergungsarbeiten. Manche Angehörige suchen deshalb selbst in den Trümmern nach ihren Vermissten. Zahlreiche Fami­lien leben weiterhin in Zelten. Besonders erschütternd ist die Situation an einer Schule der jesuitischen Partner in der Region: Dort kamen 25 Kinder ums Leben, viele weitere Schülerinnen und Schüler werden noch vermisst", so die Ge­schäfts­führerin von jesuitenweltweit Österreich. 

Humanitäre Hilfe bleibt dringend notwendig

Während die Such- und Rettungsarbeiten vielerorts weitergehen, wächst zugleich der Bedarf an humanitärer Hilfe. Fami­lien bleiben weiterhin auf Notunterkünfte sowie auf Lebensmittel, Trinkwasser, medizinische Versorgung und psychosoziale Begleitung angewiesen sein.

Mit den Spenden werden dringend benötigte Hilfsgüter finanziert und beschafft. Dazu gehören insbesondere Trinkwasser, Medikamente, haltbare Lebensmittel, Hygieneartikel und Babybedarf. Ebenso werden Zelte, Planen, Matratzen, Isomatten, Decken, Handtücher, Taschenlampen, Campingkocher, Campingstühle und Sonnenschutzmittel benötigt, um Notunterkünfte auszustatten und die Versorgung der betroffenen Fami­lien sicherzustellen.

Neben der materiellen Hilfe begleiten die Jesuiten die Menschen auch seelsorglich und psychosozial. In ihren Einrichtungen schaffen sie Orte der Begegnung und des Gebets und stehen Fami­lien zur Seite, die Angehörige verloren haben oder innerhalb weniger Minuten ihr Zuhause verloren haben.

Jetzt helfen

Die venezolanische Jesuitenprovinz engagiert sich gemeinsam mit internationalen Jesuitenwerken und jesuitischen Partnerorganisationen für die humanitäre Unter­stützung der Bevölkerung. Beteiligt sind unter anderem das Bildungsnetzwerk Fe y Alegría, der Jesuit Refugee Service (JRS), die jesuitische Universidad Católica Andrés Bello (UCAB), das Colegio San Ignacio sowie internationale Hilfswerke – darunter auch jesuitenweltweit.

Als Hilfswerk der Jesuiten bittet jesuitenweltweit Österreich weiterhin um dringend benötigte Spenden. Gemeinsam unterstützen wir die Versorgung der betroffenen Bevölkerung und den beginnenden Wieder­auf­bau. Jede Spende hilft, Fami­lien mit lebenswichtigen Hilfsgütern zu versorgen, Notunterkünfte auszustatten und den Menschen in den besonders schwer getroffenen Regionen Venezuelas neue Hoffnung zu schenken.

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