– JRS

Brot teilen – Vernetzungstreffen zum Thema Flüchtlinge

Von 24. – 26. Februar 2017 veranstaltete die Gemeinschaft Christlichen Lebens Österreich (GCL) ein Vernetzungstreffen für Interessierte an und Engagierte in der Flüchtlingshilfe in Linz. Am Treffen nahmen mehr als 22 Personen teil. Engagierte Mitglieder der GCL, FreundInnen aus der Pfarre Machstraße und von Glaube und Gerechtig­keit.

Vom JRS Österreich konnte P. Hans Tschiggerl SJ am ersten Abend einen kurzen Einblick in die vielfältige Arbeit des Flücht­lings­dienstes der Jesuiten weltweit geben. Unterstützt hat ihn dabei Hussein Ali, der zum Einstieg seine Sicht darlegte, warum er aus Afghanistan geflohen ist, und was sich in seinem Heimatland ändern muss, damit die Menschen nicht mehr fliehen müssen.

Der Blick auf die Arbeit des JRS war durchwegs geprägt von der Interesse leitenden Frage: Welche Langzeitstrategien können wir erkennen, um Flucht zu vermeiden. Fluchtursachen herauszuarbeiten war damit die Herausforderung der ersten Annäherung.

Die Arbeit des JRS ist lebendig in Syrien selbst im Libanon, im Irak und in Jordanien: Aus der Begleitung, der Hilfe und der Öffentlichkeitsarbeit für Menschen auf der Flucht gewinnen wir viele Erfahrungen und Kenntnis über Ursachen und Gründe, die Menschen zur Flucht zwingen. Auch im Südsudan, Malawi – Dzaleka, Kakuma – Kenia haben wir viele Erfharungen durch langjährige Kooperation mit dem UNHCR und den Menschen in Flüchtlingslagern gesammelt.

Drei Grundschwierigkeiten lassen sich für uns artikulieren: Niedrige bis gar keine Einkünfte, schlechte Schulbildung und niedrige Lebenserwartung. Das kennzeichnet die Gesellschaft in Regionen aus denen Menschen fliehen. Wenn man tiefer in die Benennung der Gründe geht, können wir folgende Ursachen festhalten:

Warum und wovor suchen Menschen Asyl:

  • Vor Krieg und Bürgerkrieg (Syrien, Irak, Nigeria, Somalia, Mali, Kongo, Sudan)
  • Vor Menschen­rechts­ver­letzungen (Tschetschenien)
  • Vor persönlichen Angriffen, Verfolgungen, Machtkämpfen (Afghanistan, Pakistan, Iran)
  • Vor Militärdiktaturen (Eritrea)
  • Vor Verarmung

Ein weiterer wichtiger Grund ist die ökologische Krise: Klimaveränderungen zwingen Menschen das gewohnte Anbaugebiet zu verlassen, weil sie dort nicht mehr genug Nahrung produzieren können.

Am ersten Abend konnten Dimensionen des Problems benannt werden – dabei wurden auch die religiösen Motivationen und Spannungen angesprochen.

Im Bereich der Begleitung von Menschen auf der Flucht wurde besonders die psycho-soziale Begleitung als hilfreiches Mittel angesprochen. Der JRS bietet in den Lagern vor Ort Schulbildung, universitäre Kurse und Berufsausbildungen. Initiativen, die die Fluchtbewegung zum Stoppen bringen können.

Keynote Speaker war am Samstag der Landesrat für Integration, Umwelt, Klima und KonsumentInnenschutz Rudi Anschober : Was können wir dafür, dass Menschen zu uns flüchten? Über Fluchtursachen und österreichische Mitwirkung und darüber, was wir dafür (tun) können, dass sie nicht flüchten müssen.

Landesrat Anschober gab zuerst einen überraschenden Einblick in die Zahlen in Oberösterreich: Über 10.000 Menschen in über 200 Intitiativen und mehr als 500 Quartieren sind aktiv. 12.000 Menschen sind 2017 in der Grundversorgung. Oberösterreich hat einen Flüchtlingsanteil von 0,9 % – ein Prozentsatz, der sich mehr oder weniger auf ganz Österreich umlegen lässt.

Grundsätzlich hinterfragt Anschober mit der ganzen Gruppe die Herabsetzung der sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge. 40% der Oberösterreichischen Bevölkerung „ist von wo anders gekommen“.

Die Hauptfluchtursachen die Anschober benennt sind:

  • Klimaveränderung: Verschiebung der fruchtbaren Böden. Neue Wüstenregionen
  • Unrechtsstrukturen
  • Eine Handelspolitik die Selbstversorgung der Regionen untergräbt

Meist kommt es zu einer Verkettung von Gründen.

Anschober konnte von Begegnungen mit Flüchtlingen in der Daraa Ebene aus Syrien und in der Bekaa Ebene im Libanon berichten.

Was könnten wir tun:

  • Bei den Fluchtursachen ansetzen heißt, die Freihandels-Diskussion ehrlich führen. Wie sieht fairer Handel aus?
  • Bei den Fluchtursachen ansetzen heißt, die Klimaveränderung ernst nehmen. Die Ziele des Weltklimaertrags werden verzögert“.
  • Bei den Fluchtursachen ansetzen heißt, Akutunterstützung vor Ort. Hier sind meist politische Zusagen mit wenig Budget und wirklicher Hilfe unterlegt.
  • Bei den Fluchtursachen ansetzen heißt, den Waffenhandel offenzulegen und abzustellen.
  • Zu überlegen ist eine legale Form der Flucht zu ermöglichen. Das sogenannet Botschafts-Asyl wurde wohl aus finanziellen Gründen gestrichen. Es würde Menschen eine Chance bieten, ohne Schlepper, ohne gefährliche Fluchtwege Asyl zu beantragen.

Frau Dudu Kücükgöl , diplomierte Wirtschaftspädagogin und deklarierte muslimische Feministin, sprach über die Herausforderung einer neuen Bevölkerungszusammensetzung – durch muslimische Flüchtlinge und durch (nicht)muslimische Einheimische; persönliche Erfahrungen mit Feminismus im Islam. Wünsche und Visionen für Österreich und die EU.

Frau Kücükgöl hat besonders die Chancengerechtigkeit in der Schulbildung angesprochen. Gesellschaftliche Entfremdung hat mehr mit sozialer Ungerechtigkeit zu tun und mit unterschiedlichen Bildungsmöglichkeiten. Religion und Kultur sind zu unterscheiden! Besonders eindrücklich war die Darstellung des Einschnitts, den 9/11 für die Muslimische Gemeinschaft in Österreich bedeutet. Plötzlich wurde man wie in einer Art Sippenhaftung auf die Seite der Extremisten und der Täter gerechnet, obwohl man innerlich sich ganz gegen jegliche terroristische und kriminelle Aktivitäten stellt.

Die Referate haben lebhafte Diskussionen entzündet. Im Verlauf des Treffens wurden Best Practice-Beispiele aus Österreich und Umgebung gesammelt. Darüber wird später noch berichtet….

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