Libanon: Schutz unter dem Kirchendach

Im Libanon verschärft sich die humanitäre Lage weiter. Der Jesuiten-Flücht­lings­dienst (JRS) unterstützt Vertriebene und Geflüchtete. In Beirut ist die Jesuitenkirche St. Joseph zu einem Schutzraum geworden

X48530 Nahostkrise

Ort:
Libanon

Partner:
P. Daniel Corrou SJ, Regionaldirektor des Jesuiten-Flüchtlingdienstes Naher Osten (JRS MENA)

Zielgruppe:

Der JRS unterstützt Binnenvertriebene in Schulen und Sammelunterkünften in Beirut, Mount Lebanon und der Bekaa-Ebene. Im Frühjahr 2026 wurden mindestens 19 externe Unterkünfte erreicht; mehr als 571 Fami­lien und damit rund 2.225 Menschen erhielten Hilfe.

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Der JRS lässt die Menschen im Libanon nicht allein und knüpft in der akuten Krise an seine langjährige Arbeit im Land an, begleitet Geflüchtete unabhängig von ihrer Herkunft mit Bildung, psychosozialer Unter­stützung, Rechtsberatung und konkreter Nothilfe.

Besonderes Augenmerk liegt auf der Unter­stützung von gefährdeten Arbeitsmigrantinnen und -migranten.

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Die Lage im Libanon hat sich seit März dramatisch verschlechtert. Israelische Angriffe haben Wohnhäuser und Schulen zerstört, Verkehrswege unterbrochen und Fami­lien in große Unsicherheit gedrängt. Bis zum Mai 2026 wurden mindestens 2.475 Menschen getötet und 7.696 verletzt; mehr als 1,2 Millionen Menschen sind im eigenen Land auf der Flucht, darunter über 390.000 Kinder.

Das Leid der Gastarbeiterfamilien

Gerade für unregistrierte Migrantinnen und Migranten ist diese Krise schwer zu bewältigen. Viele finden keinen Platz in offiziellen Sammelunterkünften. „Wir hören, dass migrantische Arbeiterinnen und Arbeiter, also Nicht-Libanesen, nicht in die staatlichen Unterkünfte gelassen werden“, berichtet P. Daniel Corrou SJ, Regionaldirektor des Jesuiten-Flücht­lings­dienstes für den Nahen Osten und Nordafrika (JRS MENA).

Andere zögern, Hilfe zu suchen, aus Angst vor Behörden, Diskriminierung oder schlicht, weil sie nicht wissen, wohin. „Wir irrten nach den ersten Angriffen die ganze Nacht ziellos durch die Straßen“, berichtet Rudayna, Arbeitsmigrantin aus dem Sudan. Zuflucht fand sie mit ihren Kindern in der Jesuitenkirche St. Joseph im Beiruter Stadtteil Monot. Wo sonst gebetet wird, schlafen nun Menschen, die ihr Zuhause verloren haben. Matratzen liegen dicht an dicht, Büros wurden in Schlafräume verwandelt. Es ist kein idealer Ort, aber ein sicherer.

Die Arbeit wächst mit der Not

Der JRS versteht Nothilfe nicht als bloße Ausgabe von Paketen. In St. Joseph erhalten die Bewohnerinnen und Bewohner Lebensmittel, Hygieneartikel, Decken, Babykits und medizinische Unter­stützung. Seit Öffnung der Unterkunft wurden mehr als 20.000 Mahlzeiten verteilt. Zugleich bietet das Team psychosoziale Begleitung, psychologische Beratung, Sozialarbeit, Rechtsberatung und Aktivitäten für Kinder an.

Die Dimension der Arbeit wächst mit der Not. In der Unterkunft leben derzeit 184 Menschen aus 75 Fami­lien. Darüber hinaus unterstützt der JRS Binnenvertriebene in Schulen und Sammelunterkünften in Beirut, Mount Lebanon und der Bekaa-Ebene. Mindestens 19 externe Unterkünfte wurden bereits erreicht; mehr als 571 Fami­lien und rund 2.225 Menschen erhielten Hilfe. Die Verteilungen erfolgen in Abstimmung mit dem libanesischen Sozialministerium, dem Welternährungsprogramm und lokalen Ansprechpersonen, damit Unter­stützung dort ankommt, wo sie am dringendsten gebraucht wird.

Schule wird Rettungsanker

Besonders schwer wiegt der Verlust von Alltag für Kinder. Mehr als 800 Schulen und Berufsbildungszentren sind geschlossen, über 131.000 Schülerinnen und Schüler ohne regulären Unterricht. JRS-Schulen haben deshalb, wo möglich, auf Online-Unterricht umgestellt. Lernen wird so zum dünnen, aber wichtigen Faden, der Kinder mit Normalität und Gemeinschaft verbindet.

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