– Syrien

Wo das Überleben zum Luxus wird

Bewaffnete Konflikte flammen wieder auf und kosten täglich Menschenleben. Die Folgen des Erdbebens und eine nicht enden wollende Wirtschaftskrise schaffen Obdachlosigkeit und Hunger; der Zugang zu medizinischer Versorgung und Bildung ist kaum vorhanden. In einem Brandbrief warnt das Team des JRS Syrien vor einer neuen humanitären Katastrophe.

Syrien taumelt durch das 13. Jahr der Krise, und die humanitäre Situation im Land wird Tag für Tag ernster. Der andauernde Konflikt hat über fünf Millionen Menschen aus ihrem Heimatland vertrieben, mehr als sechs Millionen sind in Syrien selbst auf der Flucht. Die Folgen der Erdbeben vom Februar 2023 haben die Lage massiv verschärft, der Bürgerkrieg wütet ungebrochen weiter: „Seit Oktober 2023 haben Luftangriffe und Zusammenstöße verfeindeter bewaffneter Gruppen zugenommen“, berichtet Pater Tony O’Riordan, Landesdirektor des Jesuiten-Flücht­lings­dienstes Syrien (JRS): „Ich glaube, die Leute vergessen, dass Syrien eine Kriegszone ist, und dass jeden Tag Menschen durch Waffengewalt ums Leben kommen.“

Das politische Scheitern, der wirtschaftliche Zu­sammen­bruch sowie die Unfähigkeit des Staates, grundlegende Bedürfnisse wie Unterkunft, Nahrung, Gesund­heits­ver­sorgung, Bildung und Wasser zu decken, verstärken das Leid: „Angesichts der aktuellen Umstände schwächt sich die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung", sagt Roula, eine Mitarbeiterin des JRS.

Im vergangenen Jahr haben JRS-Teams Kleidung verteilt und 44.000 Menschen mit Nahrung versorgt. Doch die Zahl derer, die hungern, wächst, insbesondere Kinder sind betroffen. Die Lebensmittelpreise haben sich seit Januar verdoppelt und innerhalb von nur zwei Jahren vervierfacht. Gleichzeitig wurde die Währung um über 100 Prozent abgewertet, was die Kaufkraft der Syrerinnen und Syrer drastisch reduziert hat.

90 Prozent leben in Armut

Steigende Preise und sinkende Einkommen verhindern, dass die Menschen über die Runden kommen. Etwa 90 Prozent der syrischen Bevölkerung leben in Armut. „Die syrische Gesellschaft hat sich grundlegend verändert: Es fehlen die Männer, die zum Militär eingezogen wurden oder ausgewandert sind. Die meisten Haushalte werden jetzt von Frauen und alten Menschen geführt, was zu einem Anstieg von Kinderheirat und Kinderarbeit führt. Bildung und Gesund­heits­ver­sorgung sind Luxusgüter geworden“, sagt JRS-Mitarbeiterin Rima. Mehr als zwei Millionen Kinder sind nicht in der Schule, weil sie arbeiten, um ihren Fami­lien das Überleben zu ermöglichen.

Immer knappere Etats für humanitäre Organisationen machen es schwierig, lebensrettende Maßnahmen aufrechtzuerhalten. Infolgedessen sind auch die Gesundheitsprogramme des JRS gefährdet. Es wird zunehmend schwieriger sicherzustellen, dass Medikamente gegen chronische Krankheiten wie Diabetes verfügbar sind; auch lebensrettende Operationen sind oft nicht mehr möglich.
Pater O’Riordan betrachtet 2024 als das wahrscheinlich schwierigste Jahr für die syrische Bevölkerung, seit 2017: „Wir weigern uns, diese katastrophale Situation einfach hinzunehmen. Was wir uns wünschen, ist nicht nur Hilfe, sondern eine grundlegende Veränderung der politischen Situation, die zu Gerechtig­keit, Würde und Freiheit führt."

"Wir sehnen uns nach der Möglichkeit, das wieder aufzubauen, was zerstört wurde – unsere Häuser, unsere Gemeinschaften“, sagt JRS-Mitarbeiter Wael und spricht von einer „verlorenen Generation“.

Syrien: Nachbarschaftszentren geben Halt

Nach 14 Jahren Bürgerkrieg droht Syrien eine ganze Generation zu verlieren: Sechs Millionen Schüler:innen zwischen 5 und 17 Jahren haben keinen regelmäßigen Unterricht, zwei Millionen besuchen überhaupt keine Schule. Unzählige Kinder und Jugendliche, viele von ihnen Binnenvertriebene, sind schwer traumatisiert. Nachbarschaftszentren des Jesuiten-Flüchtlingsdienst geben ihnen Halt und Perspektive

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