– Syrien

„Der Held meines eigenen Lebens“

Eineinhalb Jahrzehnte Bürgerkrieg und dann das verheerende Erdbeben von 2023: In Syrien leiden viele Kinder unter schweren psychischen Problemen. Traumatische Erlebnisse – Gewalt, Verlust von Fami­lienmitgliedern, Zerstörung der Heimat – führen zu Angstzuständen, Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen. Schwierige Lebensbedingungen in Flüchtlingslagern oder die Rückkehr in zerstörte Gebiete verschärfen ihre Situation.

Programme des Jesuiten-Flücht­lings­dienstes (JRS) bieten psychische und psychosoziale Unter­stützung, die hilft, erlittene Traumata zu verarbeiten und eine Zukunft aufzubauen. Zwei Kinder aus den Programmen des JRS – Ali und Samia* – erzählen ihre Geschichten:

Ali beginnt zu sprechen

Ali und seine Familie mussten nach dem Krieg in ihre Heimat in Syrien zurück­kehren. Alis Vater leidet an einer chronischen Lebererkrankung, die regelmäßige und teure medizinische Betreuung erfordert, und seine Mutter arbeitet als Haushälterin, verdient aber nicht genug, um die Familie zu ernähren.

Die Lebensbedingungen in Alis Haus sind schlecht. Bei einem Hausbesuch bermerkte ein Team des JRS, dass die Familie keine Möbel besitzt, sondern lediglich ein paar Matratzen. Ihre Wohnung ist kaum zu belüften, alle Fami­lienmitglieder leiden an Atemwegserkrankungen.

Als Ali mit 10 Jahren nach Syrien zurück­kehrte, begann er an den Bildungs- und Jugendförderungsprogrammen im „Life & Education Center“ des JRS teilzunehmen. Trotz des immerwährenden Lächelns auf seinem Gesicht sprach Ali anfangs kaum. Mehrere Mitschüler versuchten, sich mit ihm anzufreunden, aber er mied jeden Kontakt. Wenn er im Unterricht eine Frage beantworten wollte, stotterte er oft und sprach die Wörter falsch aus. Diese Erfahrungen untergruben weiter sein Selbstvertrauen.

„Alle machen sich über mich lustig“, erzählte Ali seinen Lehrern. Als JRS-Mitarbeiter auf das Problem aufmerksam wurden, stellte sie Ali einen einen Sprachtherapeuten und einen Psychologen zur Seite, um die zugrunde liegenden Ursachen seiner Schwierig­keiten zu ermitteln und einen Aktionsplan zu entwickeln.

Endlich fühlte sich Ali gehört und begann große Fortschritte zu machen. Er fing an, vor der Klasse ein paar einfache Wörter zu sprechen. Obwohl er immer noch sehr schüchtern war, waren dies die ersten Schritte zu einer bedeutenden Veränderung: Alis Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl begannen zu wachsen. „Ich kann jetzt alles machen“, sagt Ali heute. Seine harte Arbeit zahlte sich aus und er erlebte einen Durchbruch mit seinen Mitschülern: „Ich bin sehr glücklich, weil mir meine Freunde zuhören. Ich bin jetzt der Held meines eigenen Lebens.“

Samias neue Begeisterung

Samia ist ein 6-jähriges Mädchen, das in ihrem kurzen Leben viele Probleme erlitten hat. Sie lebt jetzt mit ihrer Mutter, ihren Tanten und ihrem Großvater zusammen, nachdem ihr Vater gegenüber ihr und ihrer Mutter gewalttätig wurde.

Häusliche Gewalt und dazu die vorangegangenen Herausforderungen von Flucht und Vertreibung haben tiefe Spuren in Samias Seelenleben hinterlassen. Als sie im „Life & Education Center“ des JRS ankam, bemerkten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Samias „traurigen, verängstigten Blick“. Sie interagierte nicht mit ihren Altersgenossen und lag in ihrer schulischen Entwicklung Jahre zurück. Wie im Fall von Ali intervenierte der JRS.

Samia begann mit einem Sozialarbeiter und einem Psychologen zu arbeiten und machte schnell Fortschritte. Obwohl sie immer noch vorsichtig war, begann sie zu lächeln und ließ sich auf kurze Gespräche ein. Ihr Sozialarbeiter beriet auch Samias Mutter, um gemeinsam Strategien zu entwickeln. Sie begann ihrer Tochter zu ermuntern, aktiv zu werden. Samia entwickelte schnell eine neue Begeisterung fürs Lernen, und ihre Mutter berichtete von positiven Veränderungen in Samias Verhalten zu Hause.

Die Geschichten von Ali und Samia zeigen auf, wie wichtig es ist, Kinder zu unterstützen, die Flucht und Vertreibung erfahren mussten. Die Programme des JRS decken die komplexen Bedürfnisse junger Menschen in Syrien und werden so lange wie nötig fortgesetzt.

*Namen geändert, um Sicherheit und Anonymität zu gewährleisten

Syrien: Nachbarschaftszentren geben Halt

Nach 14 Jahren Bürgerkrieg droht Syrien eine ganze Generation zu verlieren: Sechs Millionen Schüler:innen zwischen 5 und 17 Jahren haben keinen regelmäßigen Unterricht, zwei Millionen besuchen überhaupt keine Schule. Unzählige Kinder und Jugendliche, viele von ihnen Binnenvertriebene, sind schwer traumatisiert. Nachbarschaftszentren des Jesuiten-Flüchtlingsdienst geben ihnen Halt und Perspektive

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